Schreiben, um nicht zu schreien

- Die jugoslawische Bedienung, die polnische Putzfrau und der iranische Kurier - den Anspruch, über das Englische hinaus mehrere Sprachen zu beherrschen, richte man beschämenderweise nur noch an die Armen. Anders könnten sie in der Fremde gar nicht überleben, sagte Michael Krüger in seiner Laudatio auf Ilma Rakusa. Sie erhielt von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München den Adelbert-von-Chamisso-Preis (15 000 Euro).

Sie und die beiden Förderpreisträger, der Iraker Hussain Al-Mozany und die Jugoslawin Marica Bodrozi´c, machten deutlich, über welchen Reichtum sie als deutsch schreibende Schriftsteller nicht-deutscher Muttersprache verfügen. Krüger stellte sich vor, wenn der Mehrsprachler Chamisso nach eigenen Angaben schon habe "hawaiisch" träumen können, so müsse es bei der achtsprachigen Rakusa mindestens "babylonisch" sein.<BR><BR>Diese präzisierte ihren aus der Notwendigkeit geborenen Reichtum so: "lustvolle Erkenntnis und ein besonderes Bewusstsein beim Umgang mit Sprache." Die Übersetzerin und Lyrikerin teilt ihre Sprachen in zwei Zungen ein: "eine für Kosen, Kleckse, Kekse und eine, die schreibt, um nicht zu schreien." Weit schmerzlicher ist für Al-Mozany ("Mansur oder der Duft des Abendlandes"), dass er seine Muttersprache der Fremdsprache opfern musste: "die einzige Rettung" für einen Zerrissenen, der seine irakische Familie im Zielgebiet amerikanischer Bomben weiß. Aber auch betont, dass sich der Irak nicht selbst von seinem Diktator zu befreien vermag. <BR><BR>Bodrozi´c ("Tito ist tot") bedankte sich mit einem sehr poetischen Text für den Förderpreis, der bewies, dass ihr Laudator Heinz Ludwig Arnold Recht hat, wenn er sagt: "Aber ihr kindliche Blick ist nur scheinbar kindlich, sie vermag nun durch die Spiegel hindurchzuschauen, in denen sie damals sich und die Wirklichkeit des Lebens zu erkennen erst begann."<BR><BR>

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