Schreibtisch-Schwof

- Im Frühjahr hatte das holländische Hans Hof Ensemble (HHE) in der Münchner Schauburg schon die "Stadt bei Nacht" mit ihrem humoristischen Stuntman-Tanztheater unsicher gemacht. Soeben mischten die sechs "Hofs" den grauen "Bureau"-Alltag auf mit gewohnt dynamo-akrobatischem Schwung - diesmal auf satirischer Grundierung. Riesenbeifall vom Dance-Publikum.

<P>Der Chef thront erst mal herrgottsähnlich oben im zweistöckigen Büro-Gebäude (Edwin Kolpas Gerüst: einsehbar & turn-fit), während in den Niederungen zwei flotte Tippmamsells und drei gefrustete Schreiberlinge das Leben zwischen Auftragshektik, Schreibtisch-Schläfchen (ein Bleistift als Stirn-Stütze) und Aufstiegs-Ambitionen absitzen, genauer "abtanzen": Im rasenden Verrenkungsstil werden Aktenordner, swisch-swusch, hin- und hergeschoben, im Kreis und in die Luft gezwirbelt. Zwischen den Deckeln, klapp-auf-klapp-zu, auch mal die Pappteller-Fertigmahlzeit serviert. <BR><BR>Vom geträumten sexy Hula-Girl der braven Griffelhalter über des Chefs Quickie mit Sekretärinnen-Doppel nebenan und kollegial geteilte Brotzeit - Chicken-Schenkelchen apart zwischen gelenkigen Zehen weitergereicht - bis zur Liquidierung des Chef-Despoten, das HHE nimmt Wahrheit & Klischees auf die Schippe. So ganz jedoch trägt die "Bureau"-Idee keinen vollen Abend. Es sind ja bloß Situationen. In ihren Wiederholungen, vor allem den wild aktionistischen, laufen die sich auch mal tot. Aber die durchgehend dramaturgisch abgestimmte Jazzmusik, die leisen Stellen von hinterhältig skurrilem Humor, nicht zuletzt die Brillanz der Akteure - dass die sich nicht mal an Pult oder Raumteiler die Rippen einrennen - bewirken insgesamt doch Zuschau-Vergnügen. <BR><BR clear=all><BR clear=all></P>

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