Von Schreier zum Ritter geschlagen

- "Warum singst Du nicht Oper", fragte Mezzo-Kollegin Ann-Katrin Naidu, als sie mit dem jungen amerikanischen Tenor Thomas Cooley bei Mendelssohns "Elias" auf dem Podium stand. Sie "schubste" ihn Richtung Gärtnerplatztheater, und so erschien er zum Vorsingen exakt im richtigen Moment: Gesucht wurde der Ferrando für Mozarts Oper "Cosí fan tutte", die am kommenden Sonntag, 19 Uhr, unter der Leitung von David Stahl Premiere hat.

<P>Dann steht der Tenor zum zweiten Mal auf einer Münchner Opernbühne. </P><P>Denn schon vor vier Jahren hatte er einen Ausflug gewagt: Damals sang Cooley in Manfred Trojahns "Was Ihr wollt" an der Bayerischen Staatsoper eine Mini-Rolle. Doch mit dem Ferrando wird`s nun ernst. "Er ist eine der interessantesten Figuren in ,Cosí`, der Tiefsinnige, der Romantiker. Weil er von seinem besten Freund und seiner Freundin betrogen wird, macht er eine Riesenentwicklung durch. Und die ist hörbar. Was er mit Dorabella hatte, war eine naive, junge Liebelei. Aber mit Fiordiligi . . . Das ist etwas ganz Anderes, eine tiefe Liebe." <BR><BR>Wie die Geschichte bei Regisseur Jochen Schölch am Ende aussehen wird, mag Cooley nicht ausplaudern. "Aber, wenn Sie mich fragen, müssten Ferrando und Fiordiligi eigentlich ganz schnell abreisen. Denn schließlich hat sie meinen besten Freund betrogen. Kann ich ihr da glauben?" Nach dem Ferrando-Debüt wird sich Cooley dann kopfüber in den barocken Koloraturdschungel stürzen. Er übernimmt - ab 9. Januar wieder am Gärtnerplatz - im Opernpasticchio "Ein Theater nach der Mode" die Hauptpartie von Kobie van Rensburg. <BR><BR>Trotz der Lust an der Oper, der Freude beim Einstudieren - "Schölch ließ uns viel improvisieren, ich habe Einiges dabei gelernt" - zieht es Thomas Cooley dann wieder zu seinen Wurzeln. Die liegen im Oratorien- und Konzertbereich. "Ich komme aus der Chortradition." Obwohl die Familie nicht musikalisch ist, bekam er als Siebenjähriger Klavierunterricht, durfte ein Jahr später in einen Kinderchor eintreten. Doch als es schließlich um die Berufswahl ging, rieten die Eltern zur Schulmusik, während der Gesangslehrer Mut zur Sängerkarriere machte. <BR><BR>Der Amerikaner wollte wissen, ob es auch ein klassisches Repertoire jenseits der Oper gebe, mit der er als Student erste Bekanntschaft vor allem im Barockfach gemacht hatte. Sein Lehrer riet ihm: "Dafür musst Du nach Europa." Und der junge Mann machte sich auf - ausgestattet mit einem Stipendium für Wien. Von dort aus unternahm er seinen ersten Trip nach München. <BR><BR>Als ihm Jahre später Tenor-Kollege James Taylor empfahl, nach München zu ziehen, zögerte er nicht lange. Seit sechs Jahren lebt Cooley nun hier, hat sich in Oratorien, Messen und Passionen nicht nur in dieser Stadt einen guten Namen gemacht. Tourneen führten ihn nach Frankreich, Spanien und Italien. <BR><BR>Den Ritterschlag erhielt er übrigens vor einigen Jahren von Peter Schreier: Nach einem Meisterkurs in Chicago lud Schreier ihn für Bachs Weihnachtsoratorium ein. <BR></P>

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