Schriftsteller Uwe Timm feiert den 65.

- Für die einen, die Kleinen, zählt natürlich vor allem "Rennschwein Rudi Rüssel"; die anderen bevorzugen schon aus kulinarischen Gründen "Die Entdeckung der Currywurst"; und die ganz die anderen vertiefen sich voller Geschichts- und Menschenneugier in "Heißer Sommer", "Rot" oder "Am Beispiel meines Bruders". Trotz dieser Unterschiede geht es um einen einzigen Schriftsteller: Uwe Timm. Er vermag, das kindliche Lesefieber genauso anzustacheln wie das der Intellektuellen. Ja sogar das Fernweh lindert er mit Büchern wie den "Römischen Aufzeichnungen" oder "Kopfjäger". Sein großer Humor und seine nachdenkliche Menschlichkeit unterstützen dabei eine beeindruckende Analysefähigkeit.

<P>Uwe Timm, lange schon ein Münchner, feiert heute seinen 65. Geburtstag. Er wurde in Hamburg geboren; ist gelernter Kürschner, übernahm auch von seinem Vater das Geschäft. Er machte schließlich das Abitur nach, studierte in München und Paris Germanistik, Philosophie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Der Autor gehört zur 68er-Generation, die zu schmähen heute Mode geworden ist. Er aber beweist, welches Potenzial sich damals entfaltet hatte und dass nicht jeder gealterte 68er ein Establishment-Spießer geworden ist. Sondern im Gegenteil: ein wichtiger, Mut machender Begleiter unserer Gesellschaft am Anfang des 21. Jahrhunderts. Gerade nun in den Gedenktagen des Kriegsendes und der Befreiung mag seine autobiografische Schrift "Am Beispiel meines Bruders" (2003) - er war bei der SS-Totenkopfdivision und starb 1943 in der Ukraine - am bedeutsamsten anmuten. Verstehen lernen aus dem Schmerz.<BR><BR>Allerhand lernen von und über Timm kann man jetzt in dem Uwe-Timm-Lesebuch "Die Stimme beim Schreiben" (dtv, München, 479 Seiten; 10 Euro), das Texte - auch unveröffentlichte - von 1959 bis 2003 enthält. Und es beantwortet die Frage, warum Uwe Timm schreibt. Weil er schreiben lernen musste. Dem "Würgegriff" der "frühen Alphabetisierung" wich er aus, "um Luft zu kriegen", ins Erzählen, ins Bild.</P>

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