Schrille Ekstatik

- Die Philharmonie im Gasteig war nicht eben überfüllt, als die Münchner Philharmoniker im Abonnementkonzert am Donnerstagabend erneut mit Messiaen aufwarteten. Diesmal waren es "Trois petites liturgies de la presence divine", die das Publikum in die schillernde, fromme Welt Messiaens entführten.

<P>Die drei Gesänge für Frauenchor, Klavier, Onde Martenot, Celesta, Vibraphon, Schlagzeug und Streicher sind keineswegs für die katholische Liturgie gedacht. Vielmehr hat Messiaen eigene, am Surrealismus Paul Eluards orientierte Texte über die Präsenz Gottes in uns, in sich selbst und in allen Dingen verfasst und als Antiphon, Sequenz und Psalmodie vertont.<BR><BR>Dabei bezaubern und verwirren die fromm-weltlichen Klänge, die vertraute (Stimmen, Streicher, Klavier) und ungewöhnliche Instrumente (Vibraphon und Onde Martenot, ein elektronisches Tasteninstrument) in eigenwilliger Kombination erzeugen. Marc Albrecht, ein ausgeprägter Rhythmiker mit Gespür für die aparten Farbmischungen, konnte sich auf seine Mitstreiter verlassen: Die 36 Damen des Philharmonischen Chors (einstudiert von Andreas Herrmann), die furios zupackende Pianistin, die übrigen Solisten und die Streicher steigerten sich in der zweiten, chinesisch tönenden Liturgie in eine schrille Ekstatik. In der dritten, rhythmisch effektvoll eröffneten, faszinierte der Engelsgesang des Mittelteils, zu dem sich die "wimmernde" Onde Martenot in Konkurrenz setzte, bevor sie mystisch entrückt ausklang. <BR><BR>Auch im folgenden, von Arnold Schönberg für großes Orchester gesetzten Klavierquartett Nr. 1 g-moll war Albrechts rhythmische Souveränität gefragt. Auch wenn Brahms durchaus heraustönt, rückt Schönbergs originelle Instrumentierung mit starkem Einsatz des umfangreichen Holzes, des Blechs und des Schlagzeugs die vier Sätze ins Licht des 20. Jahrhunderts. Ihm ging es darum, "einmal alles zu hören" - ein Anspruch, dem der temperamentvolle Albrecht und die animierten Philharmoniker mit Begeisterung nachspürten. Großer Beifall.<BR></P>

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