Schrott oder Schmuck, das ist hier die Frage

- Auf der einen Seite Bruchstücke: Rost, Plastik, Papierschnipsel, Steine, Altmetall. Auf der anderen Seite Glanzstücke: Gold, Silber, Diamanten, Smaragde, Elfenbein. "Was verbindet den Schrott mit dem Schmuck?", mag man sich fragen. "Ein Kreis, in dem die Themen ohne Vorher und Nachher, ohne Rang und Wertung miteinander verknüpft sind, ineinander fließen", so antwortete Hermann Jünger (1928-2005).

Im Kreis unter der Lichtkuppel der Rotunde in der Münchner Pinakothek der Moderne präsentiert der Künstler nun erstmals ein erstaunliches Ensemble als persönliche Retrospektive, postum: "Schmuckstücke - Fundstücke".

In den rund zwei Dutzend Vitrinen hat der Goldschmied selbst bis kurz vor seinem Tod seine Entdeckungen und davon beseelten Schöpfungen miteinander arrangiert, sie wieder und wieder millimeterweise verschoben. Der in Hanau geborene Jünger, der in München studiert hatte, leitete hier von 1972 bis 1990 die Schmuckklasse an der Akademie der Bildenden Künste und entfaltete sich und sie zu engagierten prägenden Pionieren der Goldschmiedekunst.

Manchen Fundstücken blieb Jünger von den Sechzigerjahren an bis nach der Jahrtausendwende treu. Etwa einem Elektronikbruchstück: Immer wieder trifft man in der Schau auf feingliedrige Broschen, in denen sich dünne Goldfäden wie Schaltkreise schlängeln und sich in kleinen Opalen wie in Lötstellen verknoten. Viele der jüngeren Arbeiten erinnern an vergoldete Setzkästen, in die sich rare Edelsteine einpassen.

Dieser Sammelsuriumscharakter wiederholt sich innerhalb der ganzen Präsentation; Jüngers Anordnung der wunderbar wunderlichen Exponate erscheint oft wie in einem Naturkundemuseum: die Evolution eines Fliesenrestes zur Ansteckspange oder der steinerne geometrische Bausatz, welcher die spielerischen Wandlungen einer Halskette beschreibt. Solche Werke sind wahrlich eine Hommage an den Vorgang des Findens und das Glück des Finders.

"Found treasures" übersetzt die Pinakothek die "Fundstücke" ins Englische - und genauso zelebriert sie die Schau: als kleine gefundene Schätze der Inspiration, deren filigrane Kostbarkeit, Formen und Farben, Hermann Jünger in seiner Kunst sichtbar machte.

Bis 7. Mai. Di.-So. 10-17 Uhr, Do., Fr. 10-20 Uhr. Info: 089/23 80 53 60. Katalog: 49,80 Euro.

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