Schubert plustert sich

- Zwei Ungetüme, eng aneinander geschmiegt: Fast wie im Tiergarten wurden im Herkulessaal vor dem Konzert die Fazioli-Flügel bestaunt, schwarz glänzend, mit vier statt drei Pedalen, auf denen Yaara Tal und Andreas Groethuysen ein ziemlich unkonventionelles Programm zum Klingen bringen würden. Und wie die Instrumente zu einem dunklen Leib zusammenzufließen schienen, so wirkte auch das Spiel dieses phänomenalen Klavierduos, als werde es nicht von zwei Gehirnen, sondern nur von einem koordiniert.

<P>Solch inspirierte, dabei unmanierierte Exaktheit erweckte auch Stücke zur Lebendigkeit, die nicht zu den allergrößten Schöpfungen der abendländischen Musik gehören dürften: In Adolf Buschs "Variationen und Fuge über ein Thema von Franz Schubert" muss sich das unschuldige Thema aus Schuberts "kleiner" A-Dur-Sonate aufplustern zu spätromantisch-klangmächtigen Charakterstücken.</P><P>Auch der "Grande Sonate" B-Dur D 617 von Schubert wurden mit ausgefeilter Anschlagskultur und feinsten dynamischen Abschattierungen (etwa zu Beginn der Durchführung des Kopfsatzes) seelisch-emotionale Nuancen abgewonnen, die die tendenzielle Flachheit des Werks aufwogen.</P><P>Hörbar von Ravel und Debussy beeinflusst die Sonate für zwei Klaviere von Arnold Bax, ein sprödes, von harmonischen Reibungen durchsetztes Stück, das vor allem im langsamen Satz impressionistisch-zarten Charme entfaltete. Nach einer fulminant aggressiven Deutung von Ravels "La Valse" klang der Abend in den Zugaben mit Debussy, einer "Rumba jamaicana" von Arthur Benjamin und dem Walzer "Alt-Wien" in einer Bearbeitung Leopold Godowskys deutlich gefälliger aus.<BR><BR></P>

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