Am Schutt- und Spaßberg

- Glatzköpfig ist er, einen Seehundschnauzer hat er, und ständig in Bewegung ist er. Sein Kopf dreht sich und dreht sich - Fontänen sprühend nicht nur aus dem Mund, sondern auch aus dem Kopf (neben den Überresten der kaputten "Wasserwolke" von Otto Piene). Der Nöck von Thaddäus Hüppi gehört zu "impark1 - Aktuelle Kunst im Olympiapark München", die der Galerist Bernhard Wittenbrink sowie das Galeristenteam Thomas Huber und Regine Goueffon kuratiert haben.

<P>Für diesen ersten Kunst-Versuch nach 30 Jahren - nur bei den Olympischen Spielen 1972 gab's Vergleichbares - wurden 20 Künstler ausgesucht. Naturgemäß sollte das Gelände die Hauptrolle spielen. Außerdem wollte man ein möglichst breites Spektrum von Künstlern und Werken. So ist der documenta-gestählte Norbert Rademacher genauso dabei wie der "Frischling" Claus Föttinger. So finden sich Eisenskulpturen, aber auch Holzhütten, Fotofolien im Hallenbad oder Fußabstreifer im See.</P><P>Die Olympiapark GmbH engagierte sich für das Projekt, deren Sponsoren engagierten sich, von der Hilfsbereitschaft der Handwerker und Techniker sind die Macher begeistert, die Künstler brachten totalen Einsatz (pro Arbeit standen lediglich 2500 Euro zur Verfügung) - zahlen zum Teil drauf. Nur das Münchner Kulturreferat mit seinem mittlerweile berühmt-berüchtigten Budget für Kunst im öffentlichen Raum gab keinen müden Cent. Zu wenig multimedial sei das alles - und: Das Referat könne sich durch "impark1" nicht genügend selbst darstellen . . .</P><P>Allerdings sollten all die Menschen, die das einstige Oberwiesenfeld besuchen, froh sein, dass Kulturreferentin Lydia Hartl nicht involviert ist. Denn sonst würde die Ausstellung am Sankt-Nimmerleins-Tag eröffnet werden. So aber dürfen sich alle am Freitagabend (Ausschilderung ab U-Bahn) nicht nur auf die Auftakt-Feier freuen und dabei mitmachen, sondern auch sich den ganzen Sommer über mit den einzelnen Kunstwerken auseinander setzen: Zumal sie den allenthalben in Mode gekommenen Skulpturenpark nicht vorfinden werden. Am ehesten würde noch Hüppis "Wasserspucker" dazu passen. Aber schon Rademachers drei Meter hohe, über den Rand der obersten Plattform des Olympiaturms (Montage: Freitag ab sieben Uhr) kippende Goldvase ist gewagt. Noch mehr dürften Afra Dopfers nachgebautes, absolut nichtsnutziges Kassenhäuschen oder Marie Denis' ausgesprochen "praktikables" Fußballfeld am Steilhang zum See irritieren.</P><P>Auf ein Spiel anderer Art zielen M+M ab. Sie erinnern an eines der ältesten Computerspiele, eben aus den 70ern: "Pong". Am Freitagabend kann man sich an einem Turnier beteiligen. Das Finale wird aufgezeichnet und läuft als Endlosschleife über die Stadion-Anzeigentafeln. Ernstes Gedenken verhandeln die Werke von Föttinger und Andree Korpys/Markus Löffler. Ersterer installierte auf dem Bergplateau Fotos vom damaligen Attentat (1972). Das Künstler-Duo gräbt dagegen noch tiefer in der Geschichte. Ein Stollen - von Bergleuten aus Peißenberg angelegt - förderte Kriegsschutt zu Tage. Ein kleines Gemüsebeet vor dem Schacht symbolisiert den Nachkriegs-Überlebenskampf. </P><P>18. 7. bis 12. 10. Eröffnungsspiel "Olympic Pong" am Freitag ab 19.30 Uhr im Stadion. Performance von Stalker um 22 Uhr im Theatron. Übersichtstafeln im Gelände, Infos an den Kassen. Katalog gibt es im September für 19 Euro. www.impark1.de<BR></P>

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