Dem Schutzengel sei Dank

- Dramaturgin, Regisseurin, Intendantin? Was davon ist sie eigentlich? Mit dieser Frage sei sie schon oft konfrontiert worden. Aber, sagt Barbara Mundel (45), sie denke absolut nicht in solchen Karriere-Kategorien. Daher hat sie auch kein Problem damit, als jetzt noch in Luzern amtierende Intendantin des dortigen Drei-Sparten-Theaters einen Vertrag zu unterzeichnen, der sie ab Herbst 2005 "nur" zur Chefdramaturgin der Münchner Kammerspiele macht.

<P>Köln brach eine Verabredung mit ihr</P><P>Der erste Anruf von Intendant Frank Baumbauer in dieser Angelegenheit kam im August, kurz nachdem der "Fall Mundel" - oder besser: der "Fall Köln" - für Schlagzeilen gesorgt hatte. Die Stadt am Rhein hatte die Luzerner Bühnenchefin als künftige Operndirektorin verpflichtet, wovon der Oberbürgermeister plötzlich nichts mehr wissen wollte. In einem beispiellosen Vorgang wurde die Verabredung mit Barbara Mundel gebrochen. Ein halbes Jahr nach diesem Eklat sagt sie: "Heute glaube ich, dass das auch sein Gutes hatte. Ich danke jedenfalls meinem Schutzengel, der mich davor bewahrt hat."</P><P>Jetzt jedenfalls freue sie sich auf ihre Arbeit in München; darauf, sich wieder stärker, als es ihr als Intendantin möglich ist, mit inhaltlichen Fragen auseinander zu setzen. Und das an den Kammerspielen, jenem Haus, an dessen Aufführungen von Dieter Dorn und Ernst Wendt sich einst ihre großen Auseinandersetzungen mit dem Theater entzündet haben. Das war, als die aus Hildesheim kommende Barbara Mundel in München studiert hat beziehungsweise am Residenztheater unter Baumbauer Regieassistentin war.<BR><BR>Aus diesen frühen 80er-Jahren also kennt sie die Stadt und hat noch immer ein Gefühl für sie. Was wird Barbara Mundel in ihrem zukünftigen Wirken am wichtigsten sein? Ganz einfach: "Gutes Theater zu machen." Natürlich kann man darüber streiten, was darunter zu verstehen ist. Auch darüber, was es heißt, Theater für eine Stadt zu machen: "Wie kann man den Spagat schaffen zwischen nationaler sowie internationaler Vernetzung und dem Anspruch, dennoch als Theater kenntlich zu sein für dieses Publikum hier vor Ort?" </P><P>Dabei lässt sich gut mit Mundel darüber debattieren, inwiefern sich unser Menschenbild gegenüber dem des vergangenen Jahrhunderts verändert hat, oder welchen Stellenwert der alte Begriff des Schauspielers in unserer Gesellschaft heute noch hat. Getrieben von der "Sehnsucht", auf der Bühne einen adäquaten Ausdruck für die Gegenwart zu finden, zollt die Luzerner Noch-Intendantin und zukünftige Chefdramaturgin der Münchner Kammerspiele den diesbezüglichen Bemühungen einer jungen Regie-Generation hohen Respekt.</P><P>Humor, Neugier, Offenheit und Leidenschaft strahlt diese zierlich-drahtige, kleine Frau aus. Und, was für sie auf Anhieb einnimmt, eine gewisse Gelassenheit, die sie vermutlich der beglückenden Existenz ihrer eindreivierteljährigen Tochter verdankt.<BR></P>

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