Schwabinger, Satiriker und großer Erotiker

- Er war Schüler und Freund des großen Olaf Gulbransson, Freund von Liesl Karlstadt, Karl Valentin und des Roider Jackl. Der Schöpfer der großen Künstlerfest-Dekorationen "Schwabylon" und "Monopteros", erfand den "Paulaner Künstlerkrug", eine Art "Hofmaler" der Münchner Turmschreiber, und stellte als Präsident der Münchner Kunstakademie dort zum Abschied keine eigenen Werke aus, wie es gewünscht war, sondern die seiner Studenten.

Eine seiner Erkenntnisse als Nachfolger seines Freundes Gulbransson als Präsident: "Man kann Kunst nicht lernen."

"Man muss sich vor den Menschen schützen."

Josef Oberberger nach Lao Tse

Josef Oberberger, 1905 bei Regensburg geboren, sang im Chor der Regensburger Domspatzen und begann in den 20er-Jahren eine Lehre als Glasmaler bei der Firma Schneider in Regensburg. Danach bewarb er sich als Student bei Gulbransson und wurde so gut wie abgelehnt. Erst als der noch einmal alle eingereichten Bewerbungs-Arbeiten durchsah, entdeckte er Oberberger. Rasch kam es zu einer tiefen und lebenslang anhaltenden Freundschaft zwischen den beiden.

In den 30er-Jahren entwickelte sich Oberbergers Leidenschaft für Frankreich und seine Künstler. Der gotische Dom von Chartres beeindruckte ihn. Georges Rouault, Pablo Picasso, Paul Cé´zanne wurden seine leuchtenden Wegweiser. Mit Maurice de Vlaminck (1876-1958) pflegte er eine tiefe Freundschaft, doch vielen Kunst- und Sammlerfreunden gilt Oberberger als der "bayerische Picasso". Seine Nähe zu diesem ganz Großen ist unverkennbar.

Die meiste Zeit seines Künstlerlebens verwandte Oberberger allerdings auf die Kirchenkunst. Er schuf Glasfenster für unzählige Dome zwischen Washington und Augsburg, zwischen dem kleinen schwäbischen Schmuttenbach und seiner Heimatstadt Regensburg. Dort malte Josef Oberberger noch im stolzen Alter von 80 Jahren die Obergadenfenster für den gotischen Dom. Archaisch strenge Blicke auf Heilige und ihr Leben. Von tiefer bayerischer Religiosität erfüllt.

Oberberger war aber viel mehr als nur ein exzellenter Glas- und Kirchenmaler. Seine Welt war ein Kosmos von künstlerischem Ausdruck und einer genialen Vielfalt: Neben dem Kirchenmaler steht der satirische Gesellschaftskritiker, Schwabinger und große Erotiker. Oberberger karikierte und zeichnete alle großen Münchner Gestalten. Die Karlstadt und Karl Valentin, Gulbransson, den Volkssänger Roider Jackl, Karl Marx und - sich selbst. Oberberger sah sich als Philosoph, und das war er auch. Lao Tse sein großer Lehrmeister. Dessen Sentenzen zitierte er mit Vorliebe. "Man muss sich vor den Menschen schützen", war eine von ihnen.

Oberberger hat jetzt einen hohen Markt- und Sammlerwert erreicht. Ihm selbst war das zu Lebzeiten alles unwichtig. Ebenso wie von Gulbransson gibt es kaum noch Gemälde oder Zeichnungen von Josef Oberberger im Kunsthandel. Eine seiner Weisheiten war: "Der Nachruhm kommt von selbst."

Ausstellung mit Fotos, Zeichnungen und Briefen von 1944 bis 1994 in den Münchner Kunstarkaden, Sparkassenstraße 3, bis 27. Januar, Di.-So. 14-18 Uhr.

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