Wie Schwalben auf der Überlandleitung

- Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen? 16 Preise beim ARD-Wettbewerb in vier Fächern, das will erst einmal in den Abschlusskonzerten untergebracht sein. Eine logistische Leistung also ist die eine Sache. Dass einem solchen Potpourri wie beim Kammerkonzert im Prinzregententheater jeglicher dramaturgischer Zusammenhalt abhanden kommt und die Darbietungen nebeneinander hocken wie viele Schwalben auf einer Überlandleitung, die andere.

<P>Erstaunlich, wie es die meisten schafften, in der Überfülle als Individuen die Konzentration auf sich zu ziehe: Die Baritone Günter Papendell und Tyler Duncan, der Kanadier mit feinsten komischen Abschattierungen im "Song of Black Max", der Deutsche schlank fokussiert in drei Schubert-Liedern. Florent Pujuila, Klarinette, mit einer intonatorisch makellosen, selbst in den raschesten Passagen von innerer Ruhe erfüllten "Premiè`re Rhapsodie" von Debussy.<BR>Welten zwischen den Stimmen von Andrea Lauren Brown und Elena Sukmanova, hier zielgenaue, freie Koloraturen, ideal passend zu den Anforderungen Alter Musik, dort ein aus dunklem Timbre raumfüllende Kraft schöpfender Mezzo mit idealer Schwere fürs spätromantische russische Repertoire. Wenn es so etwas wie einen Publikumsliebling gab, dann den slowakischen Kontrabassisten Roman Patkoló´, der mit leicht verschleiertem Ton und irrwitzigen Flageoletts eine Tarantella von Giovanni Bottesini zum Schweben brachte. Aus den undankbarsten Plätzen, als Aufwärmer am Anfang und am Ende in eine gewisse Übersättigung hinein, mussten die Trompeter das Beste machen. Sie taten es: Guillaume Couloumy<BR>"sang" zart ein etwas weitschweifiges Konzertstück eines gewissen Vassily Brandt, Giuliano Sommerhalder beeindruckte in einer Suite von Florent Schmitt mit exaktem, unmittelbarem Ton.<BR><BR>Im Zentrum: Mauricio Kagels Gesangsstück<BR><BR>Im Zentrum des Abends aber, von insgesamt sieben Sängerinnen und Sängern nacheinander und ohne Begleitung vorgetragen: Mauricio Kagels für den Wettbewerb komponiertes Opus "Der Turm zu Babel". Hier konnten in einem Ausdrucksspektrum von gregorianisch anmutenden Melismen bis zu feinen Spielen über einzelne Laute die Stimmen in ihrer Verschiedenheit plastisch vorbeiziehen. Der Komponist nahm Ovationen entgegen.Andreas Grabner<BR></P>

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