Wimbledon-Siegerin und Ex-Graf-Rivalin mit nur 49 Jahren gestorben

Wimbledon-Siegerin und Ex-Graf-Rivalin mit nur 49 Jahren gestorben

Schweigen, streiten, tanken

- Als Schweißfestival haben die Filmfestspiele von Venedig vergangene Woche begonnen, und analog dazu startete der Wettbewerb mit tropischer Zähigkeit. Doch nun bläst ein starker Wind über den Lido, vertreibt die leicht bekleideten Menschen, die sich auf den Treppen sonnten - hinein ins Kino, wo sie hingehören. Denn auch der Wettbewerb hat stark angezogen und springt nun von Höhepunkt zu Höhepunkt.

<P>Bertolucci ist so stark<BR>wie lange nicht mehr</P><P>Die schönste Überraschung war "The Dreamers", der neue, bewegende Film von Bernardo Bertolucci - eine Liebeserklärung an das Kino. In dieser fast privaten, bis zum Ende unvorhersehbaren, bezaubernd inszenierten Geschichte über den Pariser Mai 1968, als ein Hauch von Revolution über Europa wehte, ist Bertolucci so stark, wie seit "1900" nicht mehr - besonders in der eleganten Verschränkung von inneren und äußeren Vorgängen, Psychologie und Bourgeoisie-Kritik. Und wenn er zeigt, wie eng das Kino, genauer: die französische Nouvelle Vague mit der Revolte verflochten war. "Non, je ne regrette rien", singt die Piaf am Ende eines wilden, bewegenden Werks voller Rock und Pop. Und man darf sicher sein, dass dieses Bekenntnis auch für den Regisseur selbst gilt.</P><P>Stark präsentierte sich auch wieder Michael Winterbottom. Der britische Vielfilmer, der erst im Februar mit "In this World" die Berlinale gewann, entwirft in "Code 46", seinem ersten Science-Fiction-Streifen, die Vision einer irritierend vertrauten und doch beklemmend fremden Zukunft. Ähnlich wie in Andrew Niccols "Gattaca" sieht sie recht aseptisch aus, ist von avancierter Technik, Wassermangel und vor allem einer strengen genetischen Hierarchie bestimmt - und alle sprechen chinesisch.</P><P>Tim Robbins und Samantha Morton sind ein verbotenes Liebespaar. Was "Code 46" zu einer bestechenden Erfahrung macht, ist seine imaginative Kraft, ist die Poesie, die in der Mischung aus traumartiger Trance-Atmosphäre und latenter Bedrohung liegt. Ein exzellenter Film. Und wäre da nicht gerade Winterbottoms Berlinale-Sieg gewesen, müsste man ihn zu den größten Preisanwärtern zählen.</P><P>Zu diesen gehört fraglos der Franzose Bruno Dumont, der 1999 mit "L'Humanité´" in Cannes triumphierte. In "Twentynine Palmes" lässt er auf den Spuren von Antonionis "Zabriskie Point" ein Paar durch die Wüste des US-Westens fahren. Man weiß nicht, woher sie kommen, wohin sie wollen. Zumeist wird geschwiegen, manchmal gestritten, man tankt, hat Sex, zieht von Motel zu Motel. Ein Film über Einsamkeit und Leere der Gegenwart, wovon viele Venedig-Beiträge handeln. Fast alles ist latent, auch die Aggression, die ganz langsam zu wachsen scheint - und am Ende erschreckend und trotz allem überraschend ausbricht. So wird "Twentynine Palmes" zum Film über unseren alltäglichen Horror. Das ist der Stoff, aus dem Sieger gemacht sind: ein strenges Film-Exerzitium, das fern von Bertoluccis kraftvoller Oper und Winterbottoms melancholischer Leichtigkeit seinen eigenen Sog entfaltet.</P><P>Wieder ganz anders ist "Intolerable Cruelty". Die neue Komödie der Coen-Brüder erinnert an ein schmackhaftes Soufflé, das mitten im Verzehr in sich zusammenfällt: George Clooney als Scheidungsanwalt, Catherine Zeta-Jones als kalte Schlange, die jede Ehe nur eingeht, um sich bald mit hohem Gewinn wieder zu trennen. Das macht Spaß, zumal beide Hauptdarsteller glänzend spielen, zumal Clooney mit erstaunlichem Mut und Selbstironie sein Schönlingsimage parodiert.</P><P>Doch in der Mitte, man weiß gar nicht warum, gehen plötzlich die Ideen aus, und am Schluss war einem der mit 90 Minuten kurze Film arg lang - kein Vergleich zu den verspielten, zitatreichen, dabei hochintelligenten Komödien, mit denen die Coens bis vor ein paar Jahren begeisterten. Ein klarer Favorit hat sich unter alldem noch nicht herausgeschält. Noch bleiben vier Tage und eine Hand voll heißer Kandidaten, etwa Kitano und Innaritu. Dann kann einer einen Löwen kosen.<BR></P>

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