Schweißtreibender Popkamerad

- Der Weg vom "Bravo"-Starschnitt zum ernst zu nehmenden Sänger ist ein weiter, aber Sasha Schmitz geht ihn. Als Sasha sang er sich in die Herzen der Zahnspangenfraktion, mit seiner Rockabilly-Formation "Dick Brave and the Backbeats" machte der gebürtige Soester schließlich auch den Erwachsenen Spaß.

Mittlerweile ist der Popkamerad wieder einen Schritt zurückgegangen, zum gut abgehangenen Radiorock - und im Münchner Tollwood-Zelt angekommen, wo er als Entertainer eine gewohnt passable Figur macht.

Zu Sashas Erfolgsrezept gehört, neben seiner gar nicht schlechten Stimme, dass er die Vergangenheit nicht etwa verschweigt, sondern sie recht souverän ins Konzert einbaut - dabei aber keinen Zweifel lässt, dass er damals jung war und das Geld brauchte. Nett zu beobachten bei "If You Believe", 1998 immerhin ein Top-3-Hit. Da bricht er während der Strophe nuschelnd ab und ruft lachend in die textfesten ersten Reihen: "Helft mir mal, ich kann's nicht mehr."

Charmant schlampig ist das, genauso wie die Optik des 34-Jährigen. Sasha wirkt, als sei er mit siegestrunkenen englischen Fußballfans aufs Tollwood getorkelt, trägt lässiges Hemd, Khaki-Shorts und ein Vollbärtchen. Das passt zur Atmosphäre im Zelt: Schwül-heiß ist es hier, bis gegen Ende das riesige Gewitter kommt. Für Schweißausbrüche gerade der jungen Zuschauerinnen sorgen dabei auch die putzigen Rockstar-Persiflagen des Sängers: Das Handtuch wird erst ausgiebig am Körper getränkt und dann in die begierig kreischenden Reihen geworfen.

Die Musik bleibt dagegen auf Zimmertemperatur, mit gelegentlichen Ausreißern nach oben: "Rooftop" etwa ist live eine mitreißende Soulnummer, während Sasha kräftig in die Mundharmomika stößt. Das meiste vom Rest: Rock, Balladen, Fußballsongs. Nett, aber zu oft da gewesen, um wirklich zu beweisen, dass der Sänger auf seinem Weg schon angekommen ist. Es sind immer noch weniger die Songs, die begeistern, es ist vielmehr Sascha Schmitz.

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