An der Schwelle zum ganz großen Verdi

- ",La forza del destino ist nicht Giuseppe Verdis populärstes Stück, aber es steht an der Schwelle zum ganz großen Verdi und birgt schon viele Elemente, die später weiter und tiefer entwickelt wurden. Es hat eine enorme Energie und keine Note zu viel." Fabio Luisi freut sich, dass er heuer erstmals die Eröffnungs-Premiere der Münchner Opernfestspiele am kommenden Dienstag, 28. Juni, dirigiert.

Dabei arbeitet er auch zum ersten Mal mit Regisseur David Alden zusammen. "Mit seinem Zwillingsbruder Christopher habe ich in Chicago ,Rigoletto’ produziert. Aber die Arbeitsweise der beiden unterscheidet sich stark. Christopher ist viel ruhiger, visuell konservativer. David ist entschieden direkter. Mir macht es mit beiden großen Spaß."Dass David Alden - im Gegensatz zu manchen anderen Interpreten - den Fra Melitone und Preziosilla nicht so komisch findet, passt bestens in Luisis musikalisches Konzept. "Alle Figuren verhalten sich eigentlich extrem. Auch diese verrückte Kanonenfrau Preziosilla und der Melitone, der bei uns nicht buffonesk gezeichnet wird, sondern grotesk. Musikalisch in scharfen Farben. Er hat nichts von Rossini.""Alle Figuren verhalten sich eigentlich extrem."Fabio LuisiFabio Luisi, der gebürtige Genueser, der in München in den vergangenen Jahren viele Opern seiner Landsleute Verdi, Puccini, Rossini, Donizetti und Leoncavallo dirigiert hat, greift in Intendant Peter Jonas' letzter Saison 2006/ 07 dann noch beherzt ins deutsche Repertoire: Humperdincks "Königskinder". "Ein faszinierendes Stück, das oft als Kinderoper abgewertet wird. Doch es ist eine große, schwere, deutsche Oper mit gesellschaftskritischen Elementen. Eine der besten nach Wagner überhaupt."Wagners "Ring des Nibelungen" wird für Luisi ebenfalls in der kommenden Saison zur großen Herausforderung: Er leitet die Wiederaufnahme der Tetralogie an der Dresdner Semperoper, deren musikalische Geschicke er ab 2007 als Generalmusikdirektor mitbestimmen wird. Zugleich übernimmt er auch das seit 30 Jahren abgespaltene Amt des Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle. Eine Personalunion, die sich die Musiker wünschten und die nach Giuseppe Sinopolis plötzlichem Tod nun auf Luisi wartet.Noch ist er im benachbarten Leipzig als Chef des MDR-Symphonieorchester unabkömmlich. Außerdem übernimmt er im September für fünf Jahre die Wiener Symphoniker. "Da bleibt dann kaum mehr Zeit zum gastieren", bekennt Luisi, der mit der Dresdner Staatskapelle - "diesem dunkel, samtig und edel, nie schwerfällig klingenden Orchester" - vermehrt das 20. Jahrhundert ausleuchten will: "Zum Beispiel Strauss im Kontext zu seinen Wegbegleitern oder Widersachern, eben zu Zeitgenossen, die eine andere politische oder ästhetische Richtung vertraten."Luisi lebt jetzt schon seit einigen Jahren in Sachsen, gastierte auch direkt nach der Wende an den Berliner Opernhäusern und hat miterlebt, wie dort vieles von so genannten Wessis arrogant und kaltschnäuzig durchgesetzt wurde."Natürlich mussten die Strukturen dringend verschlankt werden. Aber nicht alle neuen Mitarbeiter, die aus dem Westen kamen, waren besser. Mir hat es imponiert, wie etwa die Staatsoper Unter den Linden einen ,Lohengrin’ oder einen ,Palestrina’ aus dem eigenen Ensemble besetzen konnte. Es war für mich künstlerisch immer ein Vergnügen, dort zu arbeiten." Kein Wunder also, dass der Italiener dem Osten treu bleibt.

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