Schwereloser Klang

- Schostakowitsch und Jansons, das ist eigentlich ein Erfolgsgespann. Doch beim jüngsten Abokonzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks im Münchner Herkulessaal gab es schon im Vorfeld ein Störmanöver: Nicht Maxim Vengerov, der seinen Schostakowitsch ebenfalls "drauf" hat, kapitulierte, sondern seine Stradivari. Sie soll einen Haar-Riss haben.

Um sie vor expressivem Druck zu bewahren, wich der Solist auf Beethoven aus, dessen einziges Violinkonzert er nun zu einer Demonstration aller denkbaren Pianissimo-Schattierungen machte. Jansons wählte zwar einen geschmeidig-weichen Einstieg, schlug aber im weiteren Verlauf doch heroischere, im Finale auch deftigere Töne an, von denen sich Vengerov (zwangsläufig) nicht mitreißen ließ.

Er entlockte seinem Instrument mit förmlich schwerelosem Bogen delikatesten Schönklang, zuweilen fast verschattet, dann wieder in der großen melodischen Geste aufblühend. Lupenrein die Intonation auch in den virtuosen Kadenzen. Er zwitscherte die Triller, zelebrierte das Larghetto bis an die Grenzen des Hörbaren, bevor er mit feinem Übermut ins Rondo sprang. Ein Beethoven, der bei aller geigerischen Leichtigkeit nicht zur Schonkost schrumpfte, sondern zur Delikatesse gedieh. Jubel und Bach als Zugabe.

Bei Brahms' organischem Ineinanderfließen, das in seiner zweiten Symphonie schier ins Endlose wächst, fühlten sich Jansons und die BR-Symphoniker hörbar wohl. Trotz aller Dichte, den Beinahe-Überlappungen, dem stetigen Vorwärtsdrängen, dem feurigen Aufbrausen und der thematischen Auseinandersetzung fehlte es nicht an Klarheit, nicht an ausgewogener Balance zwischen lyrischer Kantabilität und Dramatik.

Sowohl der Aufbau der einzelnen Sätze als auch der des Gesamten überzeugten, offenbarten eine stimmige Dramaturgie mit meisterhaften Übergängen nicht nur im finalen Allegro. Gegenüber den sonoren, Celibidache-geprägten Brahms-Klängen der Münchner Philharmoniker boten die BR-Symphoniker nun eine lichtere, ebenso faszinierende Variante. Selbstverständlich auf instrumentalem Top-Niveau.

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