Mit schweren Koffern und ein paar Floskeln Deutsch

- Als kleiner Bub fidelte er zusammen mit hundert anderen Kindern die Violinkonzerte von Tschaikowsky oder Mendelssohn herunter. Ganz so, wie es die japanische Suzuki-Methode vorschreibt. Heute nähert er sich Bach oder Beethoven - "dieser heiligen Musik" - nur mit höchster Ehrfurcht.

Keisuke Okazaki ist mittlerweile 26 Jahre alt und hat soeben den ersten Preis im 54. Internationalen Musikwettbewerb der ARD gewonnen. Beim Abschlusskonzert in der Münchner Philharmonie, Freitag um 20 Uhr, spielt er Brahms' Violinkonzert.

Strahlend erzählt der junge Japaner von seinem bisherigen Lebensweg. Es war die Mama, die ihn für ihr Hobby, die Geige, begeisterte. Nachdem seine beiden älteren Geschwister sich mehr dem Sport verschrieben hatten, "klappte es dann bei mir". Als Vierjähriger lernte er die ersten Handgriffe von seiner Mutter. Wenig später besuchte Keisuke Okazaki eine Suzuki-Schule und wagte als 13-Jähriger ein Vorspiel bei Yehudi Menuhin.

"Er wollte Bach von mir hören, aber das konnte ich leider noch nicht", schmunzelt der Preisträger heute. Immerhin lobte der große Meister die Musikalität des Buben, "und ich entschied mich danach endgültig für die Musik. Ich wechselte zu einem Musik-Gymnasium nach Tokio und reiste zwei Jahre später mit meiner Mutter nach Lübeck, um für einen Kurs bei Zakhar Bron vorzuspielen. Er nahm mich."

Mit 17 schließlich übersiedelte er an die Ostsee - "mit schweren Koffern und nur ein paar Floskeln Deutsch. Weil ich zu faul gewesen war, meinen Kurs in Tokio regelmäßig zu besuchen." Zu faul zum Geige-Üben war Keisuke Okazaki nie, und Deutsch lernte er in den vergangenen neun Jahren ganz von selbst.

Fünf Jahre studierte er bei Bron, dem Lehrer von Vengerov und Repin. "Wir haben sehr gut zusammengepasst, dieser intensive, russische Klang", schwärmt er noch heute. Weitere Ausbildungsstationen waren die Musikhochschulen in Köln und in Bern. Momentan gehört der junge Geiger noch ein Jahr zu den Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker und genießt es, dort von renommierten Musikern zu lernen und viel Kammermusik machen zu können.

Natürlich weiß der sympathische Wahl-Berliner, dass der ARD-Preis manche Türen öffnet. "Dieser tolle Preis gibt einen enormen Auftrieb und setzt viel Energie frei. Ich bin sehr dankbar und werde jetzt versuchen, mich bei Agenturen zu bewerben." Nachdem Keisuke Okazaki es schon mehrfach bis in Wettbewerbs-Finale geschafft hatte, zuletzt in Budapest und in Brüssel, freut sich über seinen großen Münchner Sieg jetzt besonders seine Mama: "Endlich!"

Die ARD-Preisträgerkonzerte: heute, 20 Uhr, im Prinzregententheater - Kammerkonzert mit anschließender Preisverleihung; Donnerstag, 20 Uhr, Prinzregententheater, mit dem Münchener Kammerorchester; Freitag, 20 Uhr, Philharmonie, mit dem BR-Symphonieorchester unter Yakov Kreizberg. Karten: 089/ 50 00 45 45.

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