Schwipserl am Klavier

- "Myrten" - Robert Schumann überreichte sie seiner Braut Clara zur Hochzeit. Am Donnerstagabend reichten Dorothea Röschmann, Ian Bostridge und Julius Drake sie weiter ans Münchner Publikum, das sich erwartungsfroh im Prinzregententheater eingefunden hatte. Nur Schumann stand auf dem Programm, das neben dem Zyklus Opus 25 noch acht Duette aus Opus 78 und 34 umfasste. Somit konnte der Zuhörer ganz eintauchen in den Reichtum Schumann'schen Liedschaffens, in dem die Gefühlswelt des Biedermeier so wundersam aufblüht.

Mit all ihren zarten und auch heftigeren Liebesbeteuerungen, die Schumann in Gedichten von Goethe, Rückert, Wilhelm Gerhard (nach Robert Burns) und anderen fand und die er in unterschiedlichste Formen goss, vom einfachen Strophenlied bis hin zur Öffnung ins Szenische.

Dorothea Röschmann hat ihrem Sopran selbst bei zunehmender Schwere die Silbrigkeit der Höhe bewahrt und schattierte, dynamisch sensibel ausgeleuchtet, Liebesschwüre und -weh in wechselnden Farbnuancen. Ihre Natürlichkeit - im innig schlichten "Nussbaum" ebenso wie im aufgewühlten "Jemand" oder in der "Hochländer-Witwe" und im eindringlichen, schnörkellosen "Lied der Braut II" - ebnete dem Zuhörer den Weg in eine Welt, die ihm weit entrückt scheint. Aus der aber Heines "Lotosblume" zeitlos schön herüberduftete.

Ian Bostridge begegnete dem Unzeitgemäßen mit intelligentem Zugriff, gab sich aber trotz aller musikalischen Ernsthaftigkeit und gesanglicher Intensität in der Schenke ("Lieder aus dem Schenkenbuch im Diwan I und II") oder gegenüber "Niemand" lässig, ja komödiantisch. Was Julius Drake, den zurückhaltenden Begleiter, animierte, seinerseits das Schwipserl am Klavier genüsslich auszukosten.

In den "halbszenisch" präsentierten Duetten reichte das Spektrum des stimmlich gut harmonierenden Paars vom "Wiegenlied" - weltfern wie Maria und Josef an der Krippe - bis zum Geplänkel "Unterm Fenster", von wo aus die beiden flugs weghuschten und verdächtig verstrubbelt wieder auftauchten: zum finalen "Familien-Gemälde". Großer Jubel und "Die Nacht" als Zugabe.

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