Schwungvoller Extrakt

- "Was ich brauche, ist die große Liebe!", träumt Antonia. "Rette sich, wer kann!", sagt Igor, aber diese Warnung kommt zu spät für den Casanova-Zahnarzt Julien. Er will Antonia heiraten ­ nur wohin bloß mit der bisherigen Ausrede, er habe Frau und Kinder? Es hilft nichts: Sprechstundenhilfe Stephanie muss als die erfundene Gattin die erfundene Scheidung einreichen ...

Vorhang auf für das charmante Lügengespinst in Pierre Barillets und Jean-Pierre Grédys Stück "Die Kaktusblüte", das von morgen (20 Uhr) an in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof zu sehen ist. Die Aschenputtelrolle der Stephanie spielt Susanne Uhlen. Und nicht nur das: Sie verbirgt sich auch hinter dem Namen der Regisseurin, Susanne Kieling.

Ihre erste Regie. Bisher habe ihr noch die Geduld gefehlt, sagt sie. Und dann ein Zufallstreffer: Ob sie nicht Lust hätte, in der "Kaktusblüte" zu spielen, fragte sie die Intendantin der Komödie, Margit Bönisch. Uhlen war begeistert. Und nicht nur spielen, auch inszenieren wolle sie. "Die ,Kaktusblüte\x0e’ hat für mich eine lange Tradition, weil das vor vielen, vielen Jahren bereits meine Mutter gespielt hat ­ ich hab‘ ihr immer den Text abhören müssen."

 Bedenkt man, dass Gisela Uhlen ihre Tochter als Baby im Wäschekorb mit zur Arbeit nahm und dass diese seit ihrem neunten Lebensjahr auf der Bühne steht, so überrascht es nicht, dass sie es auch mit der Regie aufnehmen kann. "Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht, dass es bestimmt nicht mein letztes Projekt bleiben wird. Es gibt nicht viele wirklich gute Komödien. Nicht umsonst wird ein Stück wie die ,Kaktusblüte’ immer wieder ausgebuddelt. Es besitzt einen unglaublichen Dialogwitz und eine gut gebaute Dramaturgie: Es fängt mit der Lüge des Zahnarztes Julien an, aber in alle Katastrophen, die danach passieren, wird der erst durch Antonia hineingetrieben. Das ist fürs Publikum wirklich amüsant zu beobachten."

In den Fußstapfen großer Schauspielerinnen wie Ingrid Bergman spielt Uhlen die Stephanie. Eine Paraderolle? "Sie fängt sehr dezent an und blüht dann auf wie ein Kaktus einmal im Jahr." Schon spricht Uhlen wieder über die Inszenierung, und es ist deutlich, was derzeit ihre eigentliche Lieblingsrolle ist: die der Regisseurin. "Ich habe das Stück entstaubt, modernisiert und gekürzt. Es ist ein sehr schwungvoller Extrakt geblieben, die Leute kommen aus dem Staunen gar nicht raus." Und das "Kaktusblüten"-Erbe? Sieht sie bei der Arbeit ihre Mutter vor sich? "Nein", meint Uhlen, "das ist viele Jahre her, und ich inszeniere moderner. Aber ich muss zugeben, dass mir manchmal, als ich den Text lernte, wieder Töne von ihr ins Ohr kamen.

Das war eigentlich ein ganz wichtiger Entwicklungsprozess. Meine Mutter ist mittlerweile 87. Es hat sie gefreut, dass die nächste Generation das Stück auch spielt. Ich hoffe, es gefällt ihr."

Dass Uhlen sich als Regisseurin nach ihrem Vater, Schauspieler Wolfgang Kieling, nennt, war eher ein Zufall: Um auf Tournee den Fehlschluss zu vermeiden, es handele sich um eine Billigproduktion, weil der Hauptdarsteller auch Regie führe, habe sie einfach ihren zweiten Namen eingesetzt. "So haben wir nicht geschwindelt", strahlt sie, "und es ist eine Hommage an meinen Vater".

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