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„Scream 5“: Ist dies der letzte Schrei?

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Von: Katja Kraft

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Ghostface bedroht Tara (Jenna Ortega) in „Scream 5“.
Ghostface bedroht Tara (Jenna Ortega) in „Scream 5“. © Paramount

Ghostface ist zurück! „Scream 5“, der fünfte Teil der Horrorfilm-Reihe startet am 13. Januar 2022 in den Kinos. Und wartet mit Auftritten einiger bekannter Gesichter auf. Unsere Filmkritik.

Manchmal hatte das gute alte Tastentelefon schon seine Vorteile. Merke: Mit blutverschmierten Fingern lässt sich ein Touchscreen-Smartphone ganz schlecht steuern. Und man ist auch so viel leichter zu orten, wenn das Telefon über GPS verfügt. Ja, die Macher von „Scream 5“ spielen mit den neuen Technologien. Doch das hätten sie ruhig ein bisschen weiter treiben dürfen. Wes Craven, Regisseur der vier bisherigen Teile der Reihe, die Horror und Persiflage so lustvoll vermengt wie Hannibal Lecter die Zutaten fürs Menschenfleich-Ragout, und seinen Drehbuchautoren Kevin Williamson und Ehren Kruger wären da sicher noch spritzigere (hoho) Ideen eingefallen. Soziale Netzwerke, Smart Home, Handy-Ortung –das wird zwar alles angetastet, doch im Grunde bleiben die Regisseure Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett mit ihren drei Drehbuchautoren William Sherak, James Vanderbilt und Paul Neinstein ein bisserl zu brav.

Das Überdrehte war ja immer der Spaß an den „Scream“-Filmen. Auch „Scream 5“ ist schräg, nimmt sich aber in manchen Sequenzen selbst zu ernst. Etwa wenn es um die Aufarbeitung von Familiengeheimnissen geht und gefühlig darüber philosophiert wird, sich selbst treu zu bleiben. Leute, bleibt euch selbst treu – und schenkt uns einen Film ohne Moral von der Geschicht’. Einfach nur sinnfreie Unterhaltung für Filmfreunde mit einer großen Portion Nostalgie. Kurzum: messerscharfen Ekel-Eskapismus; den erwarten wir, wenn Ghostface wieder zusticht.

„Scream 5“ wimmelt von Anspielungen für Filmfans

Und, buhuuuu! statt buuuuh!, wir bekommen ihn. Für jeden, der die vier Vorgänger und andere Filme des Genres so gut kennt wie Gale Weathers (Courteney Cox) ihren Dewey (David Arquette), wird „Scream 5“ eine amüsante Schnitzeljagd. Gleich zu Beginn fragt die altbekannte Telefonstimme – im Original gesprochen von Roger Jackson, in der Synchronisation von Kai Taschner (siehe Text oben) – erst einmal das Wissen der neuen Protagonistin Tara (Jenna Ortega) über die bisherigen Filme ab. Weiß sie alles, darf ihre Freundin weiterleben. Und bitte auch brav auf dies antworten: „Was ist dein liebster Horrorfilm?“ Buhuuuu!

Sam (Melissa Barrera), die Hauptdarstellerin in „Scream 5“, kehrt zurück in das Haus, in dem in „Scream“ viele Morde passierten.
Sam (Melissa Barrera), die Hauptdarstellerin in „Scream 5“, kehrt zurück in das Haus, in dem in „Scream“ viele Morde passierten. © Paramount Pictures

So geht es munter weiter mit jedem Fan bekannten Anspielungen (und vielen hübschen Gastauftritten von ehemaligen Ensemble-Mitgliedern). Da klebt in der Küche von Judy Hicks, die sich mittlerweile zum Sheriff gemausert hat, eine Notiz an ihren Sohn: „Lemon Squares sind im Kühlschrank!“ Die hat sie in „Scream 4“ noch für Dewey gebacken. Und eins der ersten Opfer heißt nicht ohne Grund Wes. So wird die obligatorische Party, die in jedem „Scream“ gefeiert wird, zur „Gedenkfeier für Wes“ – und damit für den Schöpfer der Reihe, den 2015 verstorbenen Wes Craven. Wo findet die Sause statt? In genau dem Haus, in dem im ersten Film Billy und Stu für ordentlich Kunstblut-Vergießen sorgten. Hübsch auch die kurze Einblendung eines Straßenschilds in Woodsboro: Die „Elm Street“ kennen wir schon aus einem anderen Wes-Craven-Film: „Nightmare – Mörderische Träume“, Originaltitel: „A Nightmare on Elm Street“.

Courteney Cox, David Arquette und Neve Campbell sind in „Scream 5“ wieder mit dabei

Etwa in Minute 30 fällt dann endlich der Satz, auf den jeder Fan gehofft hatte. „Wir müssen mit einem Experten reden“, sagt Sam, die Schwester des ersten Opfers. Und wir wissen, was das heißt. Dewey, Gale und Sidney (Neve Campbell) kommen zurück. Ohne sie wäre das hier nur ein billiger Abklatsch. Leider hat Courteney Cox das Unters-Messer-Legen auch in ihrem Privatleben fortgeführt. Macht nichts, beseelt von 90er-Erinnerungen schauen wir ihnen gern einmal mehr dabei zu, wie sie den Mann (oder die Frau?) unter der Maske jagen. Die Tricks haben sie nach wie vor drauf („Du musst ihnen in den Kopf schießen, sie kommen immer zurück!“).

Eine Person, nun gut, mehr als eine, aber eine sehr wichtige Person wird sterben. Mit ihrem Tod sollte gelten: Dies war der letzte Schrei. Ehe er mit immer weiteren Fortführungen zum lausigen Winseln verkommt.

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