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Sebastian Knauer bekam von Augsburgs Mozartiade sein Geld nicht – und gründete ein eigenes Festival.

Interview zum Festival 

Knauer: „Das Publikum freut sich darüber“

München - Pianist Sebastian Knauer, der bei seinem eigenen Festival viele Musikstars aufbietet, sprach mit unserer Zeitung über „mozart@augsburg“ und sein Gespür für Menschen.

So ist wohl noch nie ein Festspiel geboren worden: Weil Pianist Sebastian Knauer von der klammen Augsburger Mozartiade keine Gage bekam, verzichtete er auf eine Klage, gründete dafür das Folgefestival „mozart@augsburg“ und erzielte bei der Premiere im vergangenen Jahr fast 100 Prozent Auslastung. Heuer tritt der Hamburger zum zweiten Mal als spielender Veranstalter auf. Vor allem dank persönlicher Kontakte kann der 42-Jährige einige Stars an den Lech locken. Angesagt haben sich unter anderen Knauers Lehrer András Schiff, Kollege Lars Vogt, Geiger Christian Tetzlaff, das Artemis Quartett und, für einen musikalischen Rezitationsabend, Klaus Maria Brandauer. „Mozart@augsburg“ dauert vom 31. August bis 14. September.

Was haben Sie aus erstem Jahr gelernt?

Dass es einen unglaublichen Bedarf der Augsburger gibt, tolle Künstler live zu erleben. Nur manchmal können sie das eben nicht in der eigenen Stadt. Wenn man also solche Gäste in die Stadt bringt, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Abgesehen davon  gibt  es  Zulauf  aus  dem näheren und weiteren Umfeld.

So furchtbar viel Mozart bieten Sie ja gar nicht – trotz des Festivalnamens.

Als ich vor zwei Jahren die Idee hatte, musste ich mir natürlich einen Namen überlegen. Etwas Griffiges sollte es sein, nichts Profanes. Wenn Mozart gemailt hätte, dann hätte er womöglich diese Adresse gewählt.

Er hätte eher etwas Unanständiges gewählt...

Okay, okay, da gebe ich Ihnen Recht. Aber er ist eben ein halber Sohn der Stadt, vor allem aber ist es die Geburtsstadt seines Vaters. Außerdem können wir die Salzburger ein bisschen damit ärgern.

Sehen Sie sich als Konkurrenz zum städtischen Mozartfest?

Das war anfangs ein großes Thema. Das alle zwei Jahre stattfindende Mozartfest verfolgt aber ein anderes Konzept und auch einen Bildungsauftrag, indem etwa regionale Künstler vorgestellt werden. Ich habe immer gesagt: Ich stelle mich nicht gegen eine Veranstaltung. Wir sind komplett eigenfinanziert, wir wollen keinen Cent von der Stadt. Im Gegenteil: Für die Säle zahlen wir ja Miete. Eine große Stadt wie Augsburg hat es verdient, ein paar mehr Veranstalter zu haben. Das Publikum freut sich darüber.

Warum gibt es nichts von der öffentlichen Hand? Weil die Stadt nicht will – oder weil Sie das vermeiden wollen?

Die Stadt hat ihr eigenes Festival und muss dafür ganz schön bezahlen. Ich will mit meinem Festival erst einmal was zeigen. Die meisten Sponsorengelder habe ich aus Hamburg mitgebracht. Und vielleicht kann man künftig nach kommunaler Unterstützung fragen. Nur: Ich möchte mich nicht abhängig machen. Da habe ich meinen Stolz. Vielleicht wollen die dann, was Künstler und Programm betrifft, mitreden... Ich versuch’s erst mal so.

Festivalchef: War das schon immer ein Plan? „Nur“ am Klavier sitzen, das war Ihnen zu wenig?

Organisieren ist schon immer ein großes Faible von mir, sei es, dass es ums private Dasein geht oder um Berufliches. Ich hatte schon lange den Gedanken, ob ich mich nicht mal bei einem Festival bewerben sollte. Ich glaube, dass ich auch durch meine Solistenerfahrung ein feines Gespür fürs Publikum entwickelt habe. Ich gehe gern auf Menschen zu. Meine Eltern sagten, ich hätte als Kind schon immer versucht, alles zu organisieren...

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Ein eigenes Festival – auch weil Sie es besser als andere machen wollen?

Gut, in diesem Fall möchte ich natürlich Künstler bezahlen können (lacht). Ich will mich nicht mit anderen messen. Ich will einfach das Maximum aus mir herausholen. Ich bin der Erste, der motzt, wenn mir etwas nicht richtig gelingt. Sei es beim Klavierspiel oder in der Organisation.

Reduzieren Sie für all das Ihre Auftritte?

Nein, die Organisationsarbeit addiert sich zu meinen Konzerten. Da kriege ich zu Hause immer einiges zu hören... Aber es ist ein Prozess. Mit jedem Jahr dürfte sich der Aufwand fürs Festival verringern, weil es einfach besser läuft. Im ersten Jahr habe ich noch die Lampen gedreht und Stühle gerückt. Ich will künftig auch nicht mehr so häufig spielen.

Wie viele Auftritte haben Sie pro Jahr?

Vergangenes Jahr waren’s über 100, kürzere Programme eingeschlossen.

Ein Workaholic...

Ja. Aber ich mache ’ne lange Sommerpause. Die Ferien sind mir heilig. Ich habe einen elfjährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter. Die Pause bin ich der Familie schuldig – und mir selbst.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

Informationen zum Programm unter www.mozartaugsburg.com; Karten unter Telefon 01805/ 570 00 70 01.

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