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"Ich hatte gesunden Respekt": Sebastian Koch spielt in "Bridge of Spies" einen DDR-Anwalt.

Interview zum Kinostart

Sebastian Koch: „Hollywood ist nicht nur Geld“

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München - Seit Jahren ist Sebastian Koch auch international ein gefragter Schauspieler. Nun drehte er erstmals mit Steven Spielberg. In "Bridge of Spies" spielt er den realen DDR-Anwalt Wolfgang Vogel, der seinerzeit mit den USA über einen Agentenaustausch verhandelt hatte. Ein Gespräch über Hollywood, entspannte Stars und den Mut, Neues zu wagen.

Der Film ist überraschend amüsant – bei dem Thema war das gar nicht zu erwarten... 

Ja, das finde ich auch. Aber die Konstellation Spielberg, Tom Hanks und die Coen-Brüder fürs Drehbuch ist ja auch vielversprechend. „It’s a Match“, würde man in Amerika sagen. Diese große Erfahrung von Spielberg, dieses Zwischen-den-Zeilen-Schreiben von den Coen-Brüdern. Und dann Tom Hanks, der genau diesen Humor hat, das umzusetzen. Man fragt sich, warum die nicht schon fünf Filme miteinander gemacht haben. Also diese Vier sind eine Kombination, bei der man sagt: Ich bin auf jeden Fall dabei.

Wie kamen Sie denn eigentlich in den Cast?

Spielberg kam auf meine Agentin zu und schlug ihr die Rolle für mich vor. Das Problem war, dass ich gerade in Frankreich drehte. Mit Daniel Auteuil – es war schon immer mein Traum, mit ihm zu arbeiten. Und justament ruft Herr Spielberg an. Das war gar nicht so einfach, das zusammenzukriegen, aber er hat es zeitlich für mich möglich gemacht. Das zeigt, dass er wirklich wollte, dass ich das spiele.

Tolles Kompliment! 

Ja, das kann man so sehen.(Lacht.)

Und - wie ist es, mit Spielberg zu drehen? 

Spielberg ist ein großer Geist. Er hat eine unendliche Erfahrung, eine große Gelassenheit – und er umgibt sich, so glaube ich, ausschließlich mit Menschen, die Persönlichkeit haben. Er sucht nach Partnern, die die Sache voranbringen. Wenn man einen Vorschlag hat, der gut ist für den Film, nimmt er ihn sofort an.

Er ist kein Regisseur, der die Schauspieler nur als Puppen nutzt? 

Nein, Ja-Sager braucht der nicht. Was ich außerdem so schön finde: Er ist ein treuer Mensch, der einen Stab, eine Familie kann man fast sagen, um sich hat wachsen lassen, in der bestimmte Dinge gar nicht mehr diskutiert werden müssen. So kann man sich ganz auf das Thema konzentrieren. In so ein Team hereinzukommen, die Art, wie man aufgenommen wird – das war beeindruckend.

Hatten Sie vorher etwas Bammel, sich dort hineinzuwagen? 

Nun, gesunden Respekt. Ich habe nicht so oft derart kleinere Rollen gespielt. Das klingt ein bisschen arrogant, das meine ich gar nicht so. Ich brauche einfach immer zwei, drei Tage, bis ich warm werde. Und wenn’s dann mit einer kurzen Rolle schon fast vorbei ist, ist es schwierig.

Doch Spielberg hat Ihnen den Einstieg erleichtert. 

Absolut. Was ihn ausmacht, ist, dass er es schafft, dieses ganze Drumherum, was wir Hollywood nennen, am Set auszublenden. Dort, wo die Kamera steht, schafft er eine solch konzentrierte Atmosphäre, die ich in der Form selten erlebt habe. Man ist fokussiert auf die Szene. So zu arbeiten, macht Riesenspaß.

Mussten Sie oft lachen? Wenn Tom Hanks vor einem sitzt mit diesem zerknautschten Gesicht? 

(Lacht.) Man kommt wirklich aus dem Schwärmen in dem Fall nicht mehr heraus. Das ist ja auch so ein toller Mann. Es gibt viele, von denen man das meint, und dann trifft das gar nicht zu. Aber bei den beiden, bei Spielberg und Hanks, ist das anders: Sie sind genauso, wie man es von ihnen denkt. Das ist einfach schön, das zu erleben. Ich kenne keinen Weltstar, der derart entspannt mit seinem Ruhm umgeht wie Tom Hanks.

Gibt’s etwas, was Sie von ihm gelernt haben? 

Ach, man lernt ja von allen Menschen, die einen faszinieren, ganz viel. Das auf einen einzigen Punkt zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Doch diese große Gelassenheit am Set ist schon besonders. Das hat natürlich auch mit der Atmosphäre zu tun, die Spielberg schafft. Da hieß es nie: „Wir müssen in fünf Minuten weiter.“ Der entdeckt plötzlich in der Szene etwas, was er zuvor nicht gesehen hatte – und es kann sein, dass man noch einen Tag dranhängt. Klar, das hat auch mit Geld zu tun – und da ist Hollywood dann wieder eine wunderbare Sache.

Sind einem deutsche Produktionen nach dem finanzstarken Hollywood nicht zu klein? 

Ach, es ist nicht allein das Geld, das Hollywood ausmacht. Ich glaube nicht, dass man viel Geld braucht, um einen guten Film zu machen.

Was braucht man?

Man braucht Mut, seine eigene Geschichte zu erzählen und nicht die von irgendwelchen öffentlich-rechtlichen Redakteuren.

Ist diese Ehrfurcht gegenüber Hollywood also noch gerechtfertigt? 

Nee, das ist genauso relativ wie bei uns. Auch hier gibt es mutige Projekte. Wenn ich mir etwa den Kino-Film „Victoria“ anschaue: Natürlich hätte das in die Hose gehen können, doch das wurde in Kauf genommen. Dadurch entsteht ein großer Film, der um die Welt geht. Weil er den Mut hatte, etwas neu zu erzählen. Neu heißt, sich nicht auf etwas zu verlassen, was man schon fünfmal gesehen hat, sondern seiner eigenen Vision zu folgen.

Was ist Ihre Vision? Wie wär’s mal mit Regie? 

Gerade erst habe ich mit Tom Hooper „The Danish Girl“ abgedreht. Auch ein großer Regisseur. Wenn ich die Möglichkeit habe, bei so wunderbaren Projekten mitzuspielen, ist es nicht nötig, ins Regiefach zu wechseln. (Lacht.)

Und was macht einen großen Regisseur aus? 

Spielberg vereint da schon vieles. Natürlich kann man mit so viel Power im Hintergrund auch leicht etwas wagen. Trotzdem braucht man Mut, neue Wege zu gehen. Bei uns heißt es oft: Wir brauchen einen „Look wie“. Das ist schade, denn ich hätte gern meinen eigenen Look. Geschichten, mein Gott, die wiederholen sich doch mehr oder weniger. Wir erzählen immer wieder die immer gleichen Geschichten. Die Art, wie man sie erzählt, die ist spannend.

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