Die Seele der Bühne

- Es sei sehr selten, dass der Intendant des Bayerischen Rundfunks selbst einen Programmvorschlag mache, scherzt Thomas Gruber, Chef des BR. "Aber noch viel seltener wird dieser Programmvorschlag dann auch realisiert!" Bei der Dokumentation "Vision und Traum - Das Cuvilliés-Theater in München" von Vera Botterbusch war dies der Fall. Momentan ist dieses Juwel des bayerischen Rokoko wegen der dringend erforderlichen Sanierungsmaßnahmen geschlossen. Dafür, dass es baldmöglichst wieder eröffnet und nicht nur als Museum zugänglich, sondern tatsächlich auch bespielbar sein wird, engagiert sich das "Comité Cuvilliés", eine Initiative, die die Sanierung mit Spendengeldern unterstützen will.

"Der Film von Frau Botterbusch kommt uns gerade recht, um dieses Thema erneut aufzugreifen", erklärte Michael Dultz vom Comité Cuvilliés anlässlich der Präsentation der Dokumentation in der Münchner Residenz. Doch Vera Botterbusch will mehr als nur zu Spenden aufrufen. "Es hat mich fasziniert, den Geist, die Seele des Cuvillié´s-Theaters in Bilder zu fassen", so die Filmemacherin. Tatsächlich ist ihr genau das gelungen. Mit dem Auge der Kamera fängt Botterbusch all die winzigen, verspielten Details der Ornamente des üppig verzierten Zuschauerraums ein, erklärt die Bedeutungen der Symbole, Figuren und Gesichter, die so mancher Theatergänger sicher oft bewundert, aber wohl kaum eingehender betrachtet hat. Franç¸ois Cuvillié´s' geniales Raumkonzept macht das "Alte Residenztheater" zu einem Gesamtkunstwerk, das weit mehr ist als "nur" ein Schauspiel- und Opernhaus.

So ist es konsequent, dass Botterbusch nicht nur die Geschichte dieses über 250 Jahre alten Theaters in Zeichnungen, Bildern, nachgestellten Tanz- und Festszenen und schließlich alten Filmaufnahmen Revue passieren lässt. Parallel dazu kommen die Künstler selbst zu Wort: Juliane Köhler schwärmt von der Inspiration, die sie in diesem Raum erfährt, Regisseur und Staatstheater-Intendant Dieter Dorn begeistert sich für den Kontrast zwischen der Ästhetik des barocken Zuschauerraums und der Inszenierung moderner Stücke auf der Bühne, und Kammersängerin Hertha Töpper erinnert sich an die Wiedereröffnung des Cuvillié´s-Theaters im Jahr 1958, nachdem es im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört worden war.

So, wie dieser faszinierende Theaterraum damals von Münchner Handwerkern an einem anderen als dem ursprünglichen Platz wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt wurde, ergibt auch Botterbuschs Dokumentation Stück für Stück ein Gesamtbild, das die Zeit der Sanierung mit Erinnerungen an große Theaterabende verkürzen will. Eine liebevolle Hommage an diesen Saal, der viel zu schön ist, um für immer verschlossen zu bleiben.

BR, Allerheiligen, 15.15 Uhr.

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