Die Seele geöffnet

- "Ich hab' nicht gefragt", sagt Zubin Mehta, der aus dem indischen Bombay stammt. "Wenn mein Land gelitten hat, kann ich doch nicht einfach um eine Spendenaktion bitten." Doch sie kam zustande, auf Vorschlag von Chor und Orchester der Bayerischen Staatsoper. Am kommenden Sonntag, 11.30 Uhr, wird nun als Benefizkonzert für die Flutopfer in Südasien Gustav Mahlers dritte Symphonie im Nationaltheater aufgeführt. Mehta steht am Pult, Marjana Lipovsek singt das Alt-Solo.

<P>"Wir haben Freunde südlich von Madras", sagt Mehta, der sich noch immer geschockt von der Katastrophe zeigt. Und gleichzeitig mahnt, zwei Monate nach dem Seebeben die Opfer und Betroffenen nicht zu vergessen: "Es wird alles schon so normal in den Zeitungen und den Fernsehberichten. Aber die Leute dort brauchen noch dringend unsere Hilfe." Zwei Benefizkonzerte hat Mehta bereits mit organisiert: ein Verdi-Requiem in Rom und ein Richard-Strauss-Programm in Bombay.<BR><BR>Für die Münchner Aktion hat sich der Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper eine Besonderheit einfallen lassen: Mehta hat einen seiner Taktstöcke signiert, der in einer Internet-Auktion versteigert wird. Über 300 Euro wurden bereits geboten, unter www.bayerische-staatsoper.de kann der Preis bis Sonntag, 0 Uhr, hochgetrieben werden.<BR><BR>Mahlers Dritte hat Mehta und das Staatsorchester in den vergangenen Monaten besonders beschäftigt. Das Werk wurde in zwei Akademiekonzerten, beim Open Air hinter der Oper und auf einer Tournee aufgeführt, überdies auf CD eingespielt. "Die Dritte und die Neunte sind wegen der Adagiosätze meine Lieblingssymphonien", so Mehta. Wobei es gedauert habe, bis er Zugang zu diesem Komponisten fand. "Durch meine Ausbildung in Wien bin ich jedenfalls nicht zu Mahler gekommen. Bis in die 60er-Jahre hinein war er dort fast unbekannt. Und als er aufs Programm gesetzt wurde, mussten die Orchester wahnsinnig proben, weil er fast als unspielbar galt."<BR><BR>Und warum ist Mahler heute so populär? "Es ist wohl das Volkstümliche, auch das Vulgäre", vermutet Mehta. "Mahler versteckt nichts." Was er als Interpret erst lernen musste: Als Mehta in New York einmal die Dritte dirigierte, habe er den unangefochtenen Mahler-Experten Leonard Bernstein zum Konzert gebeten. Manches habe diesem gefallen, anderes wiederum gar nicht. Und am Ende sei dann der entscheidende Rat gekommen: "Mahler öffnet seine Seele, du nicht. Lass' es doch einfach raus."</P><P>Karten für das Benefizkonzert gibt es unter Tel. 089/2181-1920.<BR><BR></P>

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