Die Seele als Kreis

- "Mit 21 habe ich mein erstes ,plié´ gemacht". Also erst spät jene kniebeugende Basis-Übung an der Exercice-Stange. Nicht zu spät für Susi Wimmer. Zwei Semester Jura _ und dann nur noch Ballett, Modern Dance, Jazz, Kontakt-Improvisation. Als kleinste Tänzerin mit höchstem PEQ (Psycho-Energie-Quotient) fällt sie Ende der 80er-Jahre auf: bei ETA-Chef Gerd Neuner, den Coogan Dancers, letzthin als Partnerin von Ludger Orlok, dem längsten Tänzer Münchens. Morgen präsentiert sie in Gunnar Petersens Münchner Schlosszelt eine eigene Choreographie: "Project Bolé´ro".

<P>Susi Wimmer: "Einige sagen, Ravels ,Bolé´ro sei lediglich eine Strukturübung gewesen, nicht emotional intendiert. Mich interessiert, hinter diese Struktur zu kommen." Und sogleich seziert sie ihre über Oskar Schlemmers abstrakten Bauhaus-Ballette gewonnene choreographische Methode. "Ich arbeite mit geometrischen Formen und ordne dann Zahlen und Eigenschaften zu: dem Dreieck das Göttliche, dem Viereck den Willen, die Taten und Werke des Menschen, dem Kreis das Innere, die Seele."</P><P>Für den zweiten Teil hat ihr Freund, der Komponist Wolfgang Obrecht, die Musik-Geräusche und das Licht entworfen. Als Tänzer hat sie Astrid Kiener aus München und den international beschäftigten Berliner Choreographen und Solo-Performer Ingo Reulecke. Durch ihre Engagements bei der Berliner Tanz Tangente und Moveart Company hat sie gute Kontakte zur Hauptstadt-Szene. Sogar Regie-Verpflichtungen bis nach Los Angeles haben sich dadurch ergeben. Und jüngst hat man ihr, zu ihrer eigenen Überraschung, die Regie für "Dido und Aeneas" in Rouen anvertraut.</P><P>"Ich hätte in meinem Leben nichts planen können", die Wimmer mit sonnigem Spezial-Schmunzeln. Die allein erziehende Mutter habe ihr ein Urvertrauen gegeben, erzählt sie. "Vertrauen und viel Liebe, was das alles bewirken kann . . ." Da scheint sie in der Zunft der "Klinik-Clowns" goldrichtig. Elisabeth Vondrack, gut in Erinnerung als Leiterin des Schwabinger Off-Theaters Scaramouche, hat diese Gruppe von 30 freien Künstlern initiiert.<BR>"Wir gehen in Krankenhäuser und Altenheime. Wir spielen nicht vor, sondern mit den Menschen. Mit Kindern vor einer Operation etwa, um ihnen die Angst zu nehmen. Für mich ist es toll, diese Menschen zu treffen, ihre Geschichten und ihre Gelassenheit zu erleben. Warum sind diese Menschen nicht überhaupt unter uns?" _ Da hat Susi Wimmer, ohne es wohl zu wissen, schon Idee und Vorlage für ihr nächstes Stück.</P><P>Bis 31. 8. im Theaterzelt "Das Schloss", 089/ 300 30 13.<BR>Blick hinter Ravels Strukturen: Susi Wimmer präsentiert ihre Produktion ab morgen im Münchner Theaterzelt "Das Schloss".Foto: Ludger Orlok<BR></P>

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