Die Seele lässt sich nicht reparieren

- Mit den Filmen "Schwarzwaldmädel" und "Grün ist die Heide" hat sie die Herzen des Kinopublikums erobert. Die Schauspielerin Sonja Ziemann traf - an der Seite von Rudolf Prack - mit ihrer Mischung aus Naivität, Unkompliziertheit und guter Laune genau den Zuschauergeschmack zu Beginn der 50er-Jahre. Ein Star war geboren. Es folgten viele Kino- und Fernsehfilme; später auch Theaterrollen. Morgen wird Sonja Ziemann 80 Jahre alt. Doch der berufliche Glanz war überschattet von privaten Schicksalsschlägen. Besonders einschneidend war der Tod ihres einzigen Sohnes Pierre.

"Das war der totale Bruch in meinem Leben", sagt Ziemann. "An allererster Stelle in meinem Inneren steht immer noch mein Kind - Tag für Tag." Der Sohn - er stammte aus ihrer ersten Ehe mit dem Strumpffabrikanten Rudolf Hambach - kam am 7. Februar 1953 zur Welt, einen Tag vor ihrem eigenen Geburtstag. Kurz vor seinem 17. Geburtstag starb er an einem Rückenmarktumor. Mit ihrer Autobiografie "Ein Morgen gibt es immer", 1998, hat die Mutter ihrem Kind ein Denkmal gesetzt. Verwunden hat sie seinen Tod bis heute nicht. "Die Seele lässt sich nicht reparieren."

Beruflich hatte Ziemann, die bereits 1950 mit einem "Bambi" ausgezeichnet wurde, sich längst von ihrem mädchenhaften Image gelöst und den Sprung ins Charakterfach geschafft. Sie spielte in anspruchsvolleren Filmen wie "Hunde, wollt ihr ewig leben", "Strafbataillon 999", "Menschen im Hotel", "Nacht fiel über Gotenhafen" oder "Frühstück mit dem Tod" mit und wurde auch in ausländischen Produktionen wie "Geheime Wege" und "Die Brücke von Remagen" eine gefragte Darstellerin.

Ziemann, die in Eichwalde bei Berlin geboren wurde, hatte ihren Bühnenstart als Tänzerin im Berliner Revuetheater "Plaza". Bald trat sie als Soubrette in Operetten auf, ab 1942 bekam sie in Ufa-Filmen erste Teenagerrollen. Bei den Dreharbeiten zu dem polnischen Film "Der achte Wochentag" lernte sie den Autor Marek Hlasko kennen, der ihr in den Westen folgte und den sie 1961 in zweiter Ehe heiratete.

Seit Mitte der 60er-Jahre wandte sich die Schauspielerin zu Gunsten von Bühne und Fernsehen zunehmend vom Film ab. Große Theatererfolge feierte sie unter anderem als Eliza in dem Musical "My Fair Lady" und in dem Drama "Endstation Sehnsucht".

Auch die zweite Ehe scheiterte. 1969 starb Hlasko an einer Überdosis Schlaftabletten. 1989 heiratete die Schauspielerin ihren langjährigen Freund und Kollegen Charles Regnier, den sie aus frühen Tagen am Schauspielhaus in Zürich kannte. Zwölf Jahre später hieß es wieder Abschied nehmen. Im September 2001 starb Regnier an den Folgen eines Schlaganfalls. Ziemann lebt heute zurückgezogen im oberbayerischen Bad Wiessee oder in München. Sie erwägt einen Umzug zurück nach Berlin. "Aber da bin ich noch unschlüssig."

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