Mit Seele und Schmiss

- Entweder ist der Mann pathologisch beratungsresistent oder einfach ein unglaublich sturer Hund. Nach 15 Jahren Tourneeabstinenz ­ im Popgeschäft Ewigkeiten ­ betritt George Michael die ausverkaufte Münchner Olympiahalle im bewährten und berüchtigten Outfit. Trotz anhaltender Häme hält er an Dreitagebart, Sonnenbrille und schimmerndem Anzug fest.

Er sieht so zwar aus wie ein zwielichtiger Nachtclubbetreiber, aber ihm und den Fans ist das herzlich egal. "Das Können zählt, Talent setzt sich durch", hat Michael einmal gesagt ­ mit Blick auf die vielen Konkurrenten, die er im Laufe eines Vierteljahrhunderts kommen und gehen sah.

Man wird den Verdacht nicht los, dass Michael jetzt unter dem Titel "25 Live" vor allem auf Tour geht, um zu beweisen, dass er ein Könner ist. Darf er gerne: Er präsentiert perfekte Popmusik für Erwachsene, wie sie nur wenige hinbekommen. Der Eröffnungstitel "Here I am" ist programmatisch. Hier ist George Michael und liefert anlässlich seines Berufsjubiläums zwei Stunden lang seine größten Erfolge ab. So viele Hits muss man erst einmal vorweisen können ­ dabei ist der Mann erst 43.

Auf der genial schlichten Bühne tanzt Michael sichtlich aufgeräumt über eine Leinwand, die sich von der Decke bis in den Zuschauerbereich erstreckt. Auf einer Art Baugerüst zu beiden Seiten hat sich auf drei Stockwerken die exzellente und kraftvolle Band postiert. Besonders die Rhythmussektion (zwei Schlagzeuger und ein außerordentlich agiler Bassist) lässt die Halle regelrecht vibrieren. George Michael beweist dazu mit kraftvoller und doch nuancierter Stimme souverän, dass er zu den besten Sängern der Branche gehört.

In die zahlreichen Balladen legt er viel Seele. Dazwischen gibt es ohne erkennbare Dramaturgie unwiderstehlich schmissige Tanznummern wie "Amazing", Wham-Klassiker wie "I‘m your Man" und mit "Shoot the Dog" einen satirischen Frontalangriff auf George Bush. Der taucht als aufblasbare Gummipuppe auf; am Gemächt ein Hund in verfänglicher Pose.

Alles zusammen macht so viel Spaß, dass es die euphorischen Fans klaglos hinnehmen, als sich Michael nach nur zwei Zugaben verabschiedet. In 15 Jahren sehen wir ihn vielleicht wieder ­ mit Dreitagebart, Sonnenbrille und Glimmer-Anzug.

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