Seelen will ich schlürfen

- Ein Fürst verstarb am 6. Mai 1904 - ein Malerfürst. Die Ära der rauschenden Feste, der Kunst der Repräsentation, der historistischen Geste ging zu Ende. Im Vorfeld der großen Ausstellung "Franz von Lenbach - Sonnenbilder und Porträts" in der Neuen Pinakothek und Schack-Galerie (6.5.-8.8.), bei der auch die Städtische Galerie im Lenbachhaus beteiligt ist, richtete eben dieses Museum seinem Namensgeber ein Fest aus. Dieses sollte ein wenig von dem Lebensgefühl vermitteln, das Lenbach (1836- 1904) so perfekt zelebrierte, dass ihn die Menschen verehrten und ihm die Großkopferten huldigten. 100 000 Münchner, ein Viertel der damaligen Bevölkerung, folgten dem Sarg des Künstlers, wusste Lenbachhaus-Chef Helmut Friedel zu berichten.

<P>Festrednerin Carola Muysers erklärte denn auch unter dem Titel "Menschen will ich malen, Seelen will ich schlürfen" wie entscheidend das Umfeld war für den Erfolg des Porträtisten bei den Spitzen der Gesellschaft. In Lenbachs glanzvoll ausgestattetem Atelier hatten sie eine Bühne, auf der sie sich - anders als bei der später "erfundenen" Psychoanalyse - ihrem "eigenen Selbstbild" nähern konnten. Der Maler zwang sie nicht zu langen Sitzungen, sondern ließ sie erzählen und agieren; er machte Skizzen und Fotos. Danach arbeitete er in Ruhe das Gemälde aus. Der gebürtige Schrobenhausner zog schon zuvor seine Kundschaft<BR>Das Atelier als Bühne</P><P>strategisch ausgetüftelt in seinen Bann. Man betrat nicht nur eine edle toskanische Villa, sondern auch Zimmerfluchten, die erlesen dekoriert waren. Bevor der Besucher überhaupt ins Atelier kam, erlebte er erst die Magie einer Grotte und danach die "Galerie berühmter Zeitgenossen", die Lenbachs Klientel waren - von Bismarck bis Grieg. Der widmet seine Sonate Nr. 3 c-moll, op. 45 für Violine und Klavier, am Montagabend gespielt von Alban Beikircher und Senka Wolfrum, seinem Porträtisten: eine sehr passende Mischung aus Stehgeiger-Schmelz und bodenständiger Attacke.</P><P>Bis 29. August; <BR>Tel. 089/ 23 33 20 00.<BR></P><P> </P>

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