Ausstellung

Seelenlandschaften eines Könners

Kochel am See: Das Franz Marc Museum zeigt Walchensee-Bilder und Selbstporträts von Lovis Corinth

Im vergangenen Juni ist das neue Franz Marc Museum in Kochel am See überaus erfolgreich gestartet (80 000 Besucher). Und wer jetzt das schöne, wunderbar gelegene Haus für die aktuelle Schau (ab Sonntag) wieder besucht, weiß, warum. Hier stimmt einfach alles – Kunst, Natur und ein Museumscafé mit Seeblick. Die künstlerische Direktorin Cathrin Klingsöhr-Leroy hat sich diesmal für ihre Wechselausstellung in der unmittelbaren Nachbarschaft umgeschaut. Sie widmet sich den berühmten Walchensee-Bildern von Lovis Corinth (1858-1925). Unter dem Titel „Seelenlandschaften“ hat sie viel Unbekanntes aus privaten Sammlungen loseisen können. Der gebürtige Ostpreuße, der seine ersten furiosen Maler-Taten in München umsetzte, legte seine Empfindung nicht nur in Landschaften. Vor allem sein eigenes Gesicht, das er Jahr für Jahr gründlich künstlerisch „inspizierte“, war seine Seelenlandschaft. Einige Beispiele ergänzen jetzt das Walchensee-Panorama.

Aber zunächst empfängt das Familienleben Corinths den Besucher. Die Kuratorin hat im Corinth-Archiv (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg) das Fotoalbum von Charlotte Berend-Corinth entdeckt, das das Leben in Urfeld am Walchensee von 1919 bis 1925 schildert (im Katalog gänzlich reproduziert). Da sie sich um den Bau des Holzhauses am Hang über dem See kümmerte, dokumentierte sie auch den Baufortschritt. Später kommen dann die Bewohner Charlotte, Lovis, die Kinder Thomas und (Wilhel)Mine samt Geiß, Pferd und Katzerl aufs Foto, natürlich auch Besucher und Angestellte. Corinth sieht man in diesen Aufnahmen an, dass er seit seinem Schlaganfall 1911 nicht mehr der Kraftlackl war, als den er sich früher inszeniert hatte. Auch die Selbstbildnisse zeigen einen stillen, ernsten Mann, dem seine eigenen Züge bisweilen sogar ins Vage entgleiten.

Ganz anders der Bergsee, dessen Stimmungen er immer wieder einfing, ob in Aquarellen, Ölgemälden oder Zeichnungen. Lovis Corinth feiert die Vitalität der Natur, die ihn zu malerischen Experimenten bis zu einem abstrakten Gemälde hinriss. In diesem vom Mond über dem Wasser inspirierten Werk hat sich seine Malerei aus allen Fesseln der Nachahmung befreit. Auf der anderen Seite vermag sie, den schnellen, heftigen Wetterumschwüngen im Gebirge Ausdruck zu verleihen: Man spürt förmlich den Föhnsturm – am schwarz werdenden Gebirgskamm ist er schon zusammengebrochen – überm grell aufflackernden See. Oder genießt das ganze Gegenteil, jenes österlich heitere Frühlingserwachen, duftig, ruhig, sanft.

von Simone Dattenberger

8. Februar bis 19. April

Di.-So.10-17 Uhr; Katalog, Wienand Verlag : 29,50 Euro.

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