Seelentod in Auschwitz

- Diesmal kein Tatsachenbericht, keine wissenschaftliche Abhandlung, keine streng historische Spurensuche und auch nichts aus dem eigenen Erleben. Mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2004 des Bayerischen Verlegerverbandes und der Stadt München wird eine fiktive Geschichte ausgezeichnet. Sozusagen ein Stück Kunst, nacherfunden aus diversen Berichten realer Vorkommnisse, die die unerhörten Verwerfungen der Seele zum Thema haben.

<P>In welcher Weise haben die Konzentrationslager die Psyche jener Menschen verändert, die der Hölle lebend entkommen sind? Darüber hat sich die gelernte Buchhändlerin Soazig Aaron, 1949 im französischen Rennes geboren und auch heute noch in der Bretagne lebend, in ihrem ersten Buch, "Klaras Nein", literarisch Gedanken gemacht.<BR><BR>Eine fiktive Geschichte wurde ausgezeichnet</P><P>Es ist dies die Geschichte einer Heimkehr, die keine ist. Paris im Juli 1945. Die Jüdin Klara ist nach 29 Monaten Auschwitz zurückgekehrt nach Frankreich. Aber sie meldet sich nicht bei ihren Freunden, sie verharrt in der Sammelstation, dem Hotel Luté´tia - bis sie, eher zufällig, von Angelika dort entdeckt wird. Die Freundin holt Klara zu sich und ihrem Mann nach Hause. Vor allem aber heim zu Klaras kleiner Tochter. Die hatte sie vor ihrer Verhaftung noch rasch in die sichere Obhut des befreundeten Ehepaares gegeben.<BR><BR>Um das Leben des jüdischen Kindes zu schützen, haben Angelika und ihr Mann das Baby adoptiert. Nun versuchen sie mit aller Vorsicht, großer Rücksicht, mit Liebe und Taktgefühl, Klara langsam ins "normale" Leben zurückzuholen. Und ihr vor allem zu helfen, die Mutterschaft zu akzeptieren, das Mädchen als ihre Tochter zu empfinden, sich zuständig für sie zu fühlen.<BR><BR>Die Aktualität besteht auch heute</P><P>Ein schwerer Kampf, den alle Beteiligten hier zu kämpfen haben - und den sie verlieren. Denn Klara kann nicht mehr an das Leben anknüpfen, das sie vor Auschwitz lebte. Sie verweigert sich allen und allem, auch der Liebe. Überleben wird sie vielleicht nur können, indem sie die Menschen, die sie lieben und die sie einst liebte, verlässt - und in Amerika ganz allein und ganz neu als eine ganz andere von vorn anzufangen versucht.<BR><BR>Der innere Prozess der Klara Adler, die quälende Wandlung dieser jungen Frau werden in dem Buch durch die "Brille" der Freundin Angelika dargestellt: durch das Tagebuch, das sie während der Zeit ihres Zusammenseins mit Klara schreibt. Darin sind alle Fragen, Ungereimtheiten, Zweifel fixiert. Und darüber hinaus auch ein bisschen die Geschichte der deutschen Emigranten und der Ré´sistance in Frankreich.<BR><BR>Was das Buch von Soazig Aaron preiswürdig erscheinen lässt, ist auch seine Aktualität: nämlich die Tatsache, dass bis heute Menschen in den Kriegsgebieten der Welt Todesangst, Erniedrigung, Sadismus, Folter durch ihre Peiniger erleiden müssen. Eine Tortur, die die Opfer physisch wie psychisch zu anderen Menschen macht.</P><P>Soazig Aaron: "Klaras Nein". Aus dem Französischen von Grete Osterwald. Friedenauer Presse, Berlin, 188 Seiten; 19, 50 Euro.</P><P> </P>

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