Seherin oder Schamanin

Opernfestival auf Gut Immling: - An diesem Freitag beginnt auf Gut Immling im Chiemgau die Festspielsaison. Und wie immer hat auch diesmal wieder Intendant Ludwig Baumann den künstlerischen Anspruch hochgeschraubt: erste Premiere - Verdis "Maskenball" - im Bühnenbild von Caroline Neven Du Mont.

"Ich bin keine freie Künstlerin, ich mag die Begrenzungen, die Bedingungen, die ein Ort vorgibt." Dieses Bekenntnis von Caroline Neven Du Mont ist die beste Voraussetzung, sich mit der speziellen Bühnensituation in der Reithalle auf Gut Immling auseinanderzusetzen. Bei der ersten Produktion, dem "Maskenball" in der Regie von Julia Riegel, sorgt Neven Du Mont für die Ausstattung.

Da die Anfrage dazu erst im April kam, war die Zeit knapp, und so musste das bereits am Münchner Gärtnerplatztheater mit "Werther" und den "Lustigen Weibern von Windsor" erfolgreiche Team schon mit dem grundsätzlichen "Ja" für Immling die ersten Entwürfe abliefern.

Obwohl die vom Sprechtheater herkommende Neven Du Mont weiß, dass der Bewegungsspielraum der Regie - und damit auch ihrer - durch die Musik eingeschränkt wird, freut sie sich über die Herausforderung in der Oper. Vor allem wenn die Zusammenarbeit so gut klappt wie mit der um einige Jahre jüngeren Julia Riegel. "Wenn man einen Regisseur gefunden hat, mit dem man sich gut versteht und sich gegenseitig künstlerisch befruchtet, dann ist das so viel wert wie eine gute Ehe", strahlt die Bühnenbildnerin.

Für Immling sind die beiden Damen zu Verdis Ur-"Maskenball", der bekanntlich in Schweden spielt, zurückgegangen. Ein heller, luftiger Raum schwebte Caroline Neven Du Mont vor und so entwarf sie einen orangefarbenen Rundaushang, vor dem weiße, bodenlange Seidenbahnen herabhängen. Jeder Windhauch bewegt diese "Gardinen", die viele Auftritts-, aber auch Versteckmöglichkeiten bieten, hinter denen der Verrat lauern kann. "Dieses Bühnenbild löst sich im Verlauf der Oper langsam auf. Einzelne Bahnen fallen, und zuletzt gibt es nur noch den Horizont, der die Gegenwelt symbolisiert, in die der sterbende König hinübergeht."

Er stirbt in Immling übrigens in den Armen der orange gewandeten Ulrica, die nicht als Klischee-Zigeunerin, sondern als "Seherin oder Schamanin" gezeichnet wird. Mit ihrem schlichten, "aber nicht beliebigen" Bühnenraum hat Neven Du Mont versucht, "die Stimmung des Stücks zu erfassen, ihm einen Rahmen zu geben". Als Requisiten tauchen immer wieder Masken auf - "der König sammelt sie" - und im Eröffnungsbild auch Uniformen, die "quasi als Maskerade getragen werden".

Da auf Gut Immling das Budget klein ist, die theatralische Infrastruktur fehlt und zuweilen auch "die hohe Improvisationskunst" der dortigen Handwerker an Grenzen stößt, sprang das Gärtnerplatztheater mit Uniformen helfend ein. Zudem setzt die Kostümbildnerin beim Chor - "70 Leute, die ich viermal umziehen muss" - auch auf die heimischen Kleiderschränke. "Fürs Schlussbild habe ich alle um schwarze Kleidung gebeten."

Wie im wirklichen Leben verrät das Kostüm auch auf der Bühne viel über seinen Träger: Den König Riccardo sehen Riegel und Neven Du Mont als einen Zerrissenen, der seines Amtes überdrüssig ist. Sein getreuer Renato zwingt ihn förmlich in die Königsjacke. Den stets extrem heiteren Pagen Oscar, "der sozusagen das Nicht-Regieren repräsentiert", steckt die Kostümbildnerin in "eine barocke, spielerische Verkleidung".

Obwohl Caroline Neven Du Mont, entgegen ihres Vorurteils, feststellte, "dass Sänger wesentlich leichter anzuziehen sind als Schauspieler, die sich in einem viel unsichereren Rahmen bewegen, nicht die Musik als Halt haben", pendelt sie gern zwischen Schauspiel und Oper. Und hat überdies noch einen Zweitberuf: Hörspiel-Regisseurin.

Dazu kam Caroline Neven Du Mont, als sie "wegen der Kinder nicht ständig in anderen Städten unterwegs sein wollte" und nach einer Alternative suchte. Die mit ihrer Familie in der Nähe von Rosenheim und also auch von Immling lebende Ausstatterin, die häufig für den Münchner Hörverlag arbeitet, meint: "Mein Ausgangspunkt ist immer der Text." Insofern ist auch das Regieführen im Studio für sie nur "die andere Seite der gleichen Medaille".

Karten für die Festspiele: Tel. 0180/ 50 46 654; tickets@gut-immling.de

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