Sehnsucht nach dem feschen Esel

- Davon kann auch ein Oberon nur träumen: Acht junge, hübsche, wohltönende Elfen bietet ihm die Bayerische Theaterakademie, die den Sängernachwuchs für den Chor sogar aus den Gymnasien rekrutiert, als reizenden Hofstaat. Von weißen Flatterkleidchen umweht, eine üppige Seerose auf dem Kopf, lassen die Mädels keinen Zweifel daran, wohin sie den Zuschauer locken: in Titanias und Oberons Reich, in jenen "Sommernachtstraum", den Benjamin Britten Anno 1960, von Shakespeare beflügelt, in Töne setzte. Zu sehen ist die dreiaktige Oper (noch am 22. und 25. Juni) im Münchner Prinzregententheater, wo die Koproduktion von Theaterakademie, Musikhochschule, Gärtnerplatztheater und Opernhaus Halle bei der Premiere am Mittwochabend heftig beklatscht wurde.

<P>Sängernachwuchs</P><P>David Stahl leitete das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz und sorgte dafür, dass Brittens fein gewebte, reizvoll instrumentierte Musik ihren Märchenduft und ihren poetischen Zauber verbreiten konnte. Besonders schön, wenn die zart gesponnenen Linien der Holzbläser mit den Stimmen apart changierend korrespondierten. Das filigrane musikalische Gerüst bot der studentischen Sängercrew Halt. Erfreulich homogen besetzt und solide studiert, war die Truppe mit viel, von Axel Köhler freigesetzter Spielfreude am Werk - leider nicht immer textverständlich.<BR><BR>Dabei deckten die Damen Titania (Marina Spielmann), Hermia (Roxana Constantinescu) und Helena (Sigrid Plundrich) sämtliche Sopranschattierungen mit angenehm tragenden Stimmen ab und durchlitten ihre Gefühlsschwankungen mit Hingabe. Von den dazugehörenden Herren gefielen vor allem Lysander (Tenor Jens Winkelmann) und Demetrius (Bariton Ivan Orescanin), die den stimmlich schwächelnden Elfenkönig Oberon (Altus Alan Dornak als Profi-Gast) ins Abseits kickten. Immerhin konnte er auf einen wendigen Puck (Andre Felgenhauer) bauen, der mit grünem Punkschopf und ebensolchen Turnschuhen recht zeitgenössisch daher sprang. <BR><BR>Kostümbildnerin Ute Frühling schickte die Liebespaare in bunten Partyfummeln in den Wald, wo die High Heels dann verloren gingen. Den im "Sommernachtstraum" so wichtigen Wald zauberte Hannes Neumeier auf die Bühne: verschiebbare, hohe, schmale Holzteile, von bunten Blitzen laubsägeartig durchzuckt. Eine von innen leuchtende (Revue-)Treppe, eine kreisrunde Mondgondel und ein blütengespicktes Moosbett genügten, um zusammen mit der Musik die magischen Orte zu suggerieren. <BR><BR>Axel Köhler richtete seine Inszenierung mit netten Details an und half den jungen Sängern dabei, ihre Figuren - abgesehen von einigen unbeholfenen Gesten - möglichst natürlich agieren zu lassen und sie im Spiel zu charakterisieren. Dennoch kam in der allgemeinen, zuweilen etwas schleppenden Gefälligkeit Shakespeares Biss zu kurz. Dafür durften die Handwerker vor allem beim Spiel vor Theseus (Marcel Cheong) und seiner Amazonenkönigin Hippolyta (Regine Mahn) kräftig chargieren und dem Affen dann reichlich Zucker geben. Nur gut dass unter ihnen Tyler Duncans Zettel einen so feschen und schön singenden Esel auf die Bühne stellte, dem Titania noch manch sehnsüchtigen Blick hinterherschickte. </P>

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