Amtliche Warnung vor starkem Gewitter über München - Kaltfront zieht auf Oberbayern zu

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Die Sehnsucht nach Liebe

- Mit ihrer Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" hatte Jorinde Dröse dem Münchner Volkstheater einen Riesenerfolg beschieden. Jetzt ist ihr hier mit Marieluise Fleißers "Fegefeuer in Ingolstadt" die eindrucksvolle Bestätigung ihres außerordentlichen Talents gelungen.

<P>Keine Aufführung zum Jubeln. Nicht alles auf der Bühne ist so, dass man es sich nicht noch besser denken könnte. Außerdem ein sprödes Stück. Christian Stückls Volkstheater und die sehr junge Regisseurin hätten es sich wahrlich leichter machen können - mit der Wahl eines bequemeren Autors, eines den sicheren Erfolg garantierenden Genres. Doch hat sich Dröse klug fürs "Fegefeuer" entschieden. Denn wie in ihrem "Was ihr wollt" sind auch hier die ersten Gefühls-Irrungen und -Wirrungen der Jugend das Thema. Das Suchen nach Sex, die Sehnsucht nach Liebe, die Unbehaustheit in sich selbst. Fremdheit, Außenseitertum, Rudelverhalten, Brutalität.<BR><BR>Dröse findet die moderne Fortschreibung dieser Problematik eben in jenem Stück der Fleißer. Das ihr erstes war: geschrieben 1924 im Alter von 23 Jahren, basierend auf eigenen Mädchen-Erlebnissen in ihrer Jugend in Ingolstadt, ästhetisch geprägt durch ihre Münchner Begegnungen mit Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht und dem Theater. Die Szenen sind expressionistisch, illusionslos, unsentimental.<BR><BR>Und genau so ist die Inszenierung. Dröse verzichtet auf jegliche Milieumalerei. Das hervorragende Bühnenbild von Julia Scholz zeigt einen hellen Einheitsraum. An der mittleren Wand, die nach dem ersten Bild äußerst effektvoll nach hinten kippt, ein kleines Kruzifix. Es ist das die Geschichte und ihre Menschen beherrschende Detail. Quasi darunter ereignet sich alles: die Selbstverklärung des aus der Schule ausgestoßenen Roelle zum Heiland, die Steinigung dieses Spinners, die Vergewaltigungen, die Rattenfängerei der Ideologen, schließlich der Mord an der Mutter.<BR><BR>Jorinde Dröse schaut mit Distanz und scheinbar emotionslos, dafür aber mit tiefem, schönem Ernst auf die Figuren des Stücks. Stilistisch angelehnt an die frühen 20er-Jahre und Brechts "Glotzt nicht so romantisch!", fordert sie von ihren Schauspielern immer wieder eine gewisse Künstlichkeit: die übergroße Geste, slapstickhafte Bewegungen, tänzerische Schrittkombinationen.<BR><BR>In dem hoch ambitionierten, jungen Ensemble sind vor allem hervorzuheben Stephanie Schadeweg als kühle, trotzig-herbe Olga sowie Nicholas Reinke, der als Roelle fern des Klischees vom hässlichen Außenseiter einen schönen Jüngling gibt zwischen jenseitiger Besessenheit und brutaler Diesseitigkeit. Mit Charme und Anmut ist Elisabeth Müller als Clementine ein kleiner Trost in der kalten Welt der Marieluise Fleißer.<BR><BR></P>

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