Sehnsucht nach mehr

- Eigentlich wollte er ja lieber Jazzmusiker, Dirigent oder Fußballspieler werden. Aber zur Freude seiner vielen Fans und aus Liebe zum Zeichnen wurde Jean-Jacques Sempé´ letztlich doch Karikaturist.

Dass das eine gute Entscheidung war, davon können sich die Besucher seiner aktuellen Ausstellung in den Räumen der Münchner Galerie Arnoldi-Livie überzeugen. Auf seinen Bildern sind diesmal ausschließlich Personen zu sehen, die sich irgendwie mit dem Thema Kunst beschäftigen. So macht zum Beispiel ein Geschäftsmann mit Aktentasche und Financial Times unter dem Arm ganz zaghaft seine ersten musikalischen Erfahrungen an einem Klavier. Die meisten dieser Zeichnungen schuf der mittlerweile 73-Jährige speziell für diesen Anlass, andere stammen aus den letzten zwei bis drei Jahren.Figuren, die von ihrer Wichtigkeit überzeugt sind Die Idee zu dieser Ausstellung über die Kunst stammt von Joë¨lle Chariau (Bartsch & Chariau). Für dieses Projekt, das neben all den zahlreichen Kunstausstellungen und -messen in diesem Herbst den Besuchern eine gewisse Abwechslung bieten soll, arbeitet sie mit der Galerie Arnoldi-Livie zusammen. Chariau glaubt, dass "in diesen Bildern, die immer die Sehnsucht nach mehr ausdrücken, ein Stück von jedem von uns steckt". Seine Figuren seien fest davon überzeugt, dass sie eine nicht unwichtige Rolle in diesem Leben spielen, obwohl sie so klein und unscheinbar wirken. Und vielleicht entdeckt sich ja der ein oder andere Kunstliebhaber tatsächlich in Sempé´s Bildern wieder, wenn er einen Mann mit verträumten Blick auf ein Gemälde blicken sieht.Bekannt wurde der Künstler vor allem durch seine Zeichnungen für "Der kleine Nick", unterhaltsame Geschichten eines Jungen und seiner Freunde. Zusammen mit Texter René´ Goscinny, der für Comic-Helden wie Asterix & Obelix sowie Lucky Luke bekannt ist, konzipierte der Zeichner diese Figur. Goscinny schrieb bis zu seinem Tod im Jahr 1977 insgesamt fünf Bücher über den kleinen Nick, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt und über acht Millionen Mal verkauft wurden.Die letzte Ausgabe, "Neues vom kleinen Nick", konnte allerdings nur durch einen Zufall veröffentlicht werden. Goscinnys einzige Tochter Anne entdeckte vor einigen Jahren bei einem Umzug 80 neue Nick-Geschichten und beschloss, diese in einem dafür eigens gegründeten Verlag (IMAV) herauszugeben. Zeitgleich mit dem neuen Buch erschien die Hörspiel-CD "Der kleine Nick erlebt eine Überraschung" mit neun von Rufus Beck gelesenen Geschichten.Bis 16. Oktober. Täglich 11 bis 19 Uhr (Galerie Arnoldie-Livie, Münchner Galeriestr. 2b). Info: Tel. 089/ 29 55 57.

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