Sehnsucht nach Supermann

- Steffi mit verschwimmendem Sehnsuchtsblick über den Supermann, wie sie ihn gerne hätte: "stark u n d einfühlsam". Darauf Maike motzig trocken: "Das geht nicht, weil er dann eine Frau wäre." Ach, frau weiß also um die Unmöglichkeit einer vollkommenen Glücksergänzung durch Mann? Und beharrt trotzdem darauf? Tja, so ist frau nun mal, unlogisch, irrational, störrisch.

Und was dieses (für die Adams dieser Welt jedenfalls) ewige Eva-Rätsel sonst noch alles ist, hat Jochen Schölch jetzt mit einer hinreißenden weiblichen Mannschaft enthüllt: "Die Furien" - als heiterer, aber, Achtung!, nicht ganz unernster musikalischer Theaterabend eine sehr reale Glücksergänzung zum Fußball- & Gewalt-Stück "I Furiosi" vom 16. März. Wie der Regisseur Schölch zeitgleich zwei szenisch so ausgefeilte Produktionen herausbringen konnte - phänomenal. Und vorbildlich, dass Schölch, der Schauspiel-Leiter der Bayerischen Theaterakademie, sein Münchner Metropoltheater verstärkt zur Probierbühne macht.

Mit glänzenden Ergebnissen: So rasant-begabt wie seine fünf Studenten im Männerstück sind jetzt neben den wieder mal göttlich divenhaften Profis Lilly Forgà`ch, Susanne von Medvey und Helga Fellerer - wer erinnert sie nicht aus Schölchs "Ballhaus" - die fünf jüngeren "Furien" von der Hochschule für Musik und Theater. Treffpunkt: eine großzügig designte Damentoilette. Beim Nasepudern kommt man ins Gespräch - über die eigenen nicht idealen Bodymaße, die Busenfixierung des Machokerls, die 1000 Unterschiede zum Mann, die eben die traditionellen Beziehungsschwierigkeiten ergeben. Sie will Romantik, er Sex. Oder: Sie will Sex, aber er bringt's nicht. Die Damen sind dabei in der Beschreibung der betreffenden Körperpartien total emanzipiert, im Vokabular grandios schamlos. Schölch und Co-Autorinnen Dagmar Müller und Alia Luque könnten ihre Sammlung von Blondinenwitzen, Kalauern und Geschlechter-Klischees direkt als Begleitbuch verkaufen.

Aber man gibt sich auch Ratschläge, tröstet und macht sich, weiblich launisch, giftzahnmäßig gegenseitig fertig. Da bleibt nur, sich in eines der vier erhöhten WC-Kabinette zu verziehen. Zwischen den privaten Häuschen und der großen ( imaginierten) Spiegelfront entwickelt sich eine nie lahmende Choreographie von Auftritt und Flucht, von zynischer Selbstbehauptung und jämmerlichem Zusammenbruch. Und das Beste: Friedrich Rauchbauer und Christoph Weber, abwechselnd am Klavier, haben mit Lied- und Chorarrangements so gut zugearbeitet, dass die acht "Rasenden" Wut, Frust, Schmäh und letztlich doch wieder Sehnsucht nach der ergänzenden anderen Hälfte auch wunderschön besingen.

Neunmal bis 28. 5., außerdem im Juni/ Juli; Tel. 089/ 32 19 55 33.

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