Sehnsuchtsland Kunst

- Kunst hat sich noch nie um Grenzen gekümmert, Künstler waren schon immer unterwegs, bekamen - wenn man so will - global ihre Aufträge. Heutzutage reisen nicht nur die Künstler kreuz und quer über die Weltkugel, sondern auch die Kunstwerke touren - oft zum Leidwesen der Restauratoren - durch die Lande. Im Folgenden ein paar Empfehlungen für diejenigen, die selbst unterwegs sind und ästhetische Genüsse "mitnehmen" wollen, aber auch für die, die gezielt ihrem Traum von Bild und Plastik nachreisen wollen.

<P></P><P>JANUAR:<BR>Graz als aktuelle Kulturhauptstadt ohnehin ein Reiseziel zeigt - leider auch ganz aktuell - unter dem Titel "M_ars. Kunst und Krieg" Werke von zeitgenössischen Künstlern (Neue Galerie 11. 1. - 26. 3.). Den Aufbruch in der Polnischen Kunst zwischen 1918 und 1939 schildert das Wiener Museum Leopold mit der Schau "Der neue Staat" (18. 1. - 31. 3.). Und New Yorks Metropolitan Museum lockt Touristen mit 120 Zeichnungen des Universalgenies Leonardo da Vinci (22. 1. - 30. 3.).</P><P>FEBRUAR:<BR>Ein immer wieder sehr begehrter Niederländer macht im Frankfurter Städel Station. "Rembrandt Rembrandt" präsentiert mit 50 Gemälden einen uvre-Überblick (1. 2. - 11. 5.). Deutschland, als es noch nicht Deutschland war: Diese Zeitreise will das Mainzer Landesmuseum mit dem kulturhistorischen Projekt "Die Römer und ihr Erbe" erlebbar machen (2. 2. - 25. 5.). Vincent van Goghs Geburtstag jährt sich am 30. März zum 150. Mal. Das Amsterdamer Van Gogh Museum zeigt aus diesem Anlass "Vincents Wahlverwandtschaften: Van Goghs musé´e imaginaire", also Werke des Holländers und solche, die er liebte (14. 2. - 15. 6.). Und dann fährt ein großer Italiener nach London. Die National Gallery bietet eine Tizian-Schau (19. 2. - 18. 5.). </P><P>MÄRZ:<BR>Einen Maler der Neuen Sachlichkeit, Walter Schulz-Matan, stellt das Würzburger Museum im Kulturspeicher vor (8. 3. - 4. 5.). Das Kölner Käthe Kollwitz Museum erinnert vor allem mit vielen Plastiken an Ewald Mataré´s Reisen in die Menschenseele (12. 3. - 4. 5.). Ziemlich lüstern lockt St. Gallen Besucher in die Region. Die Ausstellung "Striptease. Vom Enthüllen und Verschleiern in der Kunst" verfolgt diese ästhetischen Erotik-Strategien von Lucas Cranach über Anselm Feuerbach bis hin zu Pipilotti Rist (29. März bis 24. August).</P><P>APRIL:<BR>Trotz der Flutschäden gibt sich Dresdens Gemäldegalerie Alte Meister mit "Triumph des Bacchus" heiter und touristenfreundlich _ und lädt sich dazu auch Kunstwerke aus Ferrara ein (5. 4. - 12. 7.). Alles um Albrecht Dürer herum: Medaillen, Schriften und Stifte, insgesamt über 200 Gegenstände bietet das Kulturgeschichtliche Museum in Osnabrück auf, die Welt des Renaissancekünstlers anlässlich des 475. Todestages anschaulich zu machen (6. 4. - 6. 7.). Furiose Farbexplosionen, die die Wände auflösen, stellt die Nürnberger Kunsthalle mit Franz Ackermann vor (17. April - 15. Juni).</P><P>MAI:<BR>Ein umfangreiches Panorama zu "Cubism-Kubismus" plant das Sprengel Museum in Hannover (18. 5. - 3. 8.). Das neue Ausstellungshaus (von Ieoh Ming Pei) des Deutschen Historischen Museums in Berlin wird Ende Mai eröffnet mit der grenzüberschreitenden Exposition "Idee Europa - Entwürfe zum ,Ewigen Frieden" (24. Mai - 26. August). </P><P>JUNI:<BR>Die Hamburger Deichtorhallen widmen sich einem unterhaltsamen Feld. "Ironie und Witz" in der zeitgenössischen Kunst von dem schräg-versponnenen Martin Kippenberger bis zum Spötter Sigmar Polke (6. 6. - 24. 8.). Eines der global wichtigsten Ereignisse startet wieder in Venedig, die Biennale. Die nunmehr fünfzigste leitet der Kunsthistoriker Francesco Bonami (16. 6. bis Oktober). Zwei Italiener in Passau: Gemälde von Ernesto Tatafiore und Wainer Vaccari werden unter "Sehnsucht nach Italien" im Museum Moderner Kunst präsentiert (29. Juni bis August).</P><P>JULI:<BR>Eine richtig weite Reise haben die 400 Werke aus dem Palastmuseum von Taipeh hinter sich. Als "Schätze der Himmelssöhne" sind sie im Alten Museum Berlin zu sehen (18. 7. - 12. 10.). Ebenfalls in Berlin: "Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm". Die Neue Gesellschaft für bildende Kunst kombiniert im Kräftefeld von Film, Text, Kunst und Musik Punk und New Wave (19. 7. - 7. 9.). Zur Festspielzeit erweist das Salzburger Rupertinum Jean Dubuffet die Reverenz, jenem Maler, der so viel Düsternis und so viel Heiterkeit in seinen kindlichen Strich legen konnte (26. Juli - 19. Oktober). </P><P>AUGUST:<BR>Das Mauritshuis in Den Haag setzt sich mit Hans Holbein d. J. auseinander. Miteinbezogen in die Schau werden auch Miniaturen des Malers (15. 8. - 16. 11.). Als bedeutende Ausstellung plant die Essener Villa Hügel "Stadt, Land, Fluss. Die Flämische Landschaft 1520-1700". Diese Bilder, ob von Bruegel, ob von Rubens, sind sicher eine Reise wert (23. August - 30. November).</P><P>SEPTEMBER:<BR>Reise zwischen Ost und West. Euphorisch begannen die Künstler der jungen Sowjetunion ihr Werk, am Ende stand die Enttäuschung. "Traumfabrik Kommunismus" erzählt mit Kasimir Malewitsch bis Ilya Kabakov von dieser Entwicklung (Frankfurter Schirn, 24. 9. - 4. 1. 2003). Die Fortsetzung davon illuminiert "Berlin_Moskau / Moskau_Berlin 1950-2000" im Berliner Martin-Gropius-Bau (28. 9. - 5. 1.). Gemütlicheres findest sich da schon in Dresden. Dort feiert man den 200. Geburtstag von Ludwig Richter (Gemäldegalerie Neue Meister, 27. 9. - 4. 1. '04).</P><P>OKTOBER:<BR>Einer der größten englischen Maler ist William Turner. Auch er ein Reisender. Die Tate Britain würdigt ihren Heros mit "Turner und Venedig" (16. 10. - 11. 1.). Es ist im Gespräch, dass Hamburgs Deichtorhallen komplett zu einem Fotomuseum werden. Ein erster Schritt ist womöglich die Schau "Das Bild des Menschen in der Photographie" mit Arbeiten aus der Sammlung Gundlach (17. 10. - 11. 1.). Ein genialer Spinner war Dieter Roth vor allem mit seiner Liebe zu Chaos und Kunst-Materialien wie Schokolade. Mit "Roth-Zeit" erinnert das Kölner Museum Ludwig an den Künstler (18. Oktober - 11. Januar 2004). </P><P>NOVEMBER:<BR>Temperamentvoll und aufregend sind seine Bilder. Eugè`ne Delacroix' Gemälde und Zeichnungen zeigt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe (1. 11. - 1. 2.). "Die Ursprünge der Abstraktion"  liegen bereits in der Zeit um 1800. Das will das Pariser Musé´e d'Orsay mit Werken von Caspar David Friedrich bis Robert Delaunay beweisen (18. 11. bis Februar).</P><P>DEZEMBER:<BR>Der Kreml hat eine 800-jährige Geschichte - und reist mit seinen Werken nach Bonn: Mit der Exposition "Die Schatzkammer Russlands" blickt die Kunst- und Ausstellungshalle in den Moskauer Palast (ab Dezember). Mode und Kunst sind global, und ab und an befruchten sie einander. Die Kunsthalle Nürnberg untersucht dieses Phänomen mit "Fuckin' trendy" (11. 12. - 1. 2. 2004).</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schon der kleine Tim wusste, dass Bendzko eines Tages singen wird
Er ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger – jetzt spielt Tim Bendzko in München. Wir trafen den 32-Jährigen vor seinem Konzert in der Olympiahalle zum …
Schon der kleine Tim wusste, dass Bendzko eines Tages singen wird
Puppetry Slam Festival von 20. bis 22. Juni 2017 im Pressehaus
Vier virtuose Puppenspielende - ein großes Spektakel: Münchner Merkur und tz veranstalten im Pressehaus das erste Puppetry Slam Festival Deutschlands.
Puppetry Slam Festival von 20. bis 22. Juni 2017 im Pressehaus
DJ Paul Kalkbrenner in der Münchner Muffathalle: Die Konzert-Kritik
Am Freitagabend ist DJ Paul Kalkbrenner in der Münchner Muffathalle aufgetreten. Hier lesen Sie die Konzert-Kritik.
DJ Paul Kalkbrenner in der Münchner Muffathalle: Die Konzert-Kritik
Kammerspiel-Abend für Deniz Yücel
Journalisten, Schauspieler und Kulturschaffende lesen in den Münchner Kammerspielen Texte des inhaftierten Deniz Yücel. 
Kammerspiel-Abend für Deniz Yücel

Kommentare