Sehr offen für Gefühle - Caroline Link über ihren Erfolg in Amerika

Toronto - Caroline Link (44) wurde bereits mit ihrem ersten Spielfilm "Jenseits der Stille" (1996) für einen Oscar nominiert. Für "Nirgendwo in Afrika" hat sie ihn dann vor sechs Jahren auch gewonnen - als erste deutsche Regisseurin. In ihrem neuen Film "Im Winter ein Jahr" spielt Karoline Herfurth eine junge Frau, die um ihren toten Bruder trauert.

In weiteren Hauptrollen sind Josef Bierbichler und Corinna Harfouch zu sehen. Jetzt hatte das Werk beim Filmfestival in Toronto seine Weltpremiere - neben Cannes und Berlin mittlerweile das wichtigste Festival der Kinobranche.

Ihr Film wurde hier in Toronto als Ehren-Gala präsentiert - in derselben Sektion wie beispielsweise die neuen Filme von Brad Pitt und George Clooney. Was ist das für ein Gefühl?

Das muss man erst mal kapieren, wirklich. Die Gala-Sektion ist hier die Hauptreihe, und man steht in dieser gigantischen Roy-Thompson-Hall vor Tausenden von Zuschauern, das ist fast einschüchternd. Diese Art von Erfahrung hat man bei uns einfach nicht. Ich fühle mich sehr geehrt, aber man ertappt sich dabei, unsicher zu werden. Kann man den hohen Erwartungen, die hier mit so einer Ehren-Gala verbunden sind, auch gerecht werden?

Und wie geht es Ihnen jetzt nach der Vorstellung?

Es war großartig. Man ist erst mal nicht sicher, wie es läuft, weil die Menschen hier ja immer sehr freundlich und höflich sind. Aber ich habe den Eindruck, dass der Film wirklich sehr gut angenommen wurde. Die Branche hat positiv reagiert und das Publikum auch. Ich bin dem Festival in Toronto dankbar dafür, in diesem Rahmen die Uraufführung des Films zeigen zu dürfen. Mit Toronto hatte ich immer gute Erfahrungen, die Veranstalter sind sehr treu. Hier sind fast alle meine Filme gelaufen, auch "Pünktchen und Anton" zum Beispiel.

Nun sind Ihre Filme beim nordamerikanischen Publikum immer gut angekommen, obwohl es deutsche Werke hier eigentlich schwer haben. "Im Winter ein Jahr" wird in Kanada auch regulär in die Kinos kommen, was bei deutschen Filmen sehr selten vorkommt. Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg hier?

Ich denke, es hat mit der Emotionalität meiner Filme zu tun, die offenbar jeder versteht. Emotionen sind universell, deswegen funktioniert Kino ja auch international. Und Amerikaner sind sehr offen für Gefühle, da gibt es weniger Berührungsängste als anderswo.

Trotzdem ist das große Interesse an Ihrem Film hier bemerkenswert. Wenn man die Zusammenfassung des Films liest, klingt das ja nicht zwangsläufig nach einem Film für das große Publikum...

Ich weiß, meine Filme arbeiten gegen meine eigenen Filmbeschreibungen. Das war schon bei "Jenseits der Stille" so. Wer will einen Film über ein trauriges Mädchen mit tauben Eltern sehen... Es gibt im Vorfeld auch jedes Mal Diskussionen über meine Texte, aber die Filme werden ja dann doch anders als die Beschreibungen. Das liegt daran, dass ich ein optimistischer und positiver Mensch bin. Auch wenn die Themen der Filme schwer oder düster klingen, die Filme selber sind es nicht. Letztlich kommt immer die Persönlichkeit der Filmemacher durch. Wenn man einen Film von Tom Tykwer oder Hans Steinbichler sieht, hat jeder eine unverkennbare Handschrift, die auf den Menschen hinter dem Film schließen lässt. Man ist so wie seine Filme.

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