Das ist sein Abend

- Der Tod der Mutter hat eine Bresche in sein Leben geschlagen, durch die seitdem ein gleißend helles Licht auf sein Selbstbild fällt: "Falls irgendjemand denkt, ich sei ein schlechter Schauspieler - von mir aus. Ich mach' mein Ding!" Stefan Murr, Jahrgang '76, legt Wert darauf, seinen berufliche Biografie als die wechselvolle Geschichte einer Persönlichkeitsentwicklung zu erzählen.

<P> Geboren und aufgewachsen ist er in Bad Tölz. Nach dem Abitur hat er sich an der Falckenbergschule beworben, wo er auf Anhieb genommen wurde. Die Aufführungen an den Münchner Kammerspielen bezeichnet Murr als seine erste ästhetische Grundausbildung. </P><P>Dieter Dorns "Prinz Friedrich von Homburg" war für ihn so etwas wie ein zweites Signal. "Ich steckte damals in einem tiefen Motivationsloch. Die Inszenierung hat mich sehr berührt und meine persönliche Berechtigung, Theater zu machen, wieder geschärft: Ich will als Schauspieler mein Publikum emotional erreichen." Auf die Hochkultur-Ausbildung folgten mehrere Film- und Fernsehrollen quer durch alle Genres. Krimi, Movie, Komödienstadl. Und dann der Elch-Test für jeden Ensuite-Schauspieler: 95 Vorstellungen als Flori in "Power Paula" auf der Bühne der Kleinen Komödie am Max II ohne einen einzigen Tag spielfrei. </P><P>Auf dem Talentcampus der letzten Berlinale traf Stefan Murr dann den Dogma-Filmer Thomas Vinterberg. Die Begegnung fand zum richtigen Zeitpunkt statt. Stefan Murr steckte bereits in den Proben zu Vinterbergs Familiendrama "Das Fest". In dem Stück zum Film spielt Murr die Hauptrolle, den ältesten Klingenfeldt-Sohn Christian, dessen Rede zum 60. Geburtstag des Vaters sich wie ein entlarvendes Vergrößerungsglas über die monströsen Abgründe in der Familiengeschichte senkt. </P><P>"Das wird Christians Abend" - heißt es an einer Stelle im Stück. Was so viel bedeutet wie: Christian übernimmt die Regie, räumt sein überladenes Innenleben auf und kappt die Leinen zu einer Kindheit, in der alle das Beste für ihn wollten, während einer das Schlimmste tat. "Das Fest" erzählt von der Gewalt der Harmonie, den schlauen Verdrängungen und den Ketten innen gezeugter Angst.</P><P>"Näher kann man sich doch an die Probleme unserer Zeit nicht heranspielen, oder?" Dem ist wenig hinzuzufügen Vielleicht nur noch, dass Stefan Murr in seiner verbleibenden Zeit als Leadsänger der Bad Tölzer Rockband Averell auftritt. "Das ist das Größte für mich. Nach einer Probe aufs Land fahren und sich mit Freunden aussingen!" Unter den Texten, die er singt, steht übrigens "copyright S. Murr". </P><P>Für alle, die Familienfeste eigentlich nicht ausstehen können: Diese illustre Tafelrunde auf der Bühne des Metropol-Theaters sollte man sich vielleicht doch nicht entgehen lassen. Regie führt Gerd Lohmeyer. </P><P>Premiere ist heute.  </P>

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