Sein erster Fan: Englands Königin

- Nomen est omen. Bliss heißt im Englischen Freude, Entzücken, Glückseligkeit. Und all das darf Julian Bliss für sich in Anspruch nehmen, wenn es ums Musikmachen geht. Der erst 15-jährige britische Klarinettist gilt derzeit als bemerkenswertester Nachwuchskünstler seines Landes.

Vier Jahre war er alt, als er seiner Mutter eröffnete, er wolle Musik machen "Und sie sagte nein und wiederholte dieses Nein oft. Schließlich gab sie mir eine Blockflöte, die habe ich zwei Wochen lang gespielt. Dann gab ich sie meiner Mutter zurück, ich mochte sie nicht, denn sie hatte für mich nicht den richtigen Ton. Kurz darauf hörte ich eine Klarinette, ich glaube das war im Radio und mir war sofort klar: Dieses Instrument will ich für den Rest meines Lebens spielen."<BR><BR>Damals hatte Julian Bliss noch keine Vorstellung davon, wie eine Klarinette überhaupt aussieht, und obwohl in seinem Elternhaus Musik bis dahin keine große Rolle spielte, setzte sich der Vierjährige durch. "Als ich mit der Klarinette begann, wusste ich auch sofort, dass ich das später einmal beruflich machen will." Diese früh getroffene Entscheidung hat er noch nie in Frage gestellt. "Es ist dieser schöne Ton des Instruments, dem man einfach auch wunderbar zuhören kann."<BR><BR>Julian Bliss hatte Glück, dank guter Lehrer in England genoss er dort eine solide musikalische Ausbildung. Im Jahr 2000 ging er als Elfjähriger an die Indiana University nach Amerika, um dort als jüngster Student bei seinem Mentor Howard Klug zu studieren. Er gewann den ersten Preis der "Concerto Soloist Young Artists Competition" in Philadelphia und unterschrieb seinen ersten Vertrag bei einem Musikmanagement: "Ein bisschen schwierig war das schon, so weit weg von zu Hause zu sein. Na ja, in den Sommerferien flog ich auch immer heim."<BR><BR>Heute lebt Julian Bliss in London und studiert dort an der Royal Academy of Music zusätzlich Kammermusik, Dirigieren und Studio Technologie. Und der Weg zu seiner langjährigen und für ihn wichtigsten Lehrerin ist auch nicht mehr weit: Etwa alle vierzehn Tage fliegt er nach Lübeck zu Sabine Meyer. "Sie ist eine ganz erstaunliche Klarinettistin, und für mich ist sie die Weltbeste."<BR><BR>Julian Bliss liebt das Klarinettenspiel, aber er führt trotz seiner erstaunlich jungen Karriere ein ganz normales Leben, wie er sagt.<BR><BR>An diesem Sonntag, 16 Uhr, spielt er im Münchner Prinzregententheater mit dem Münchener Kammerorchester unter Leitung von Christoph Poppen. Auf dem Programm: Mozarts populäres A-Dur Klarinettenkonzert KV 622 und Rossinis "Introduktion, Thema und Variationen für Klarinette und Orchester. Julian Bliss: "Das ist ein relativ opernhaftes Musikstück, es hat viele schöne Melodien, aber es ist technisch außerordentlich anspruchsvoll." Das deutsche Publikum schätzt er sehr, weil es einfach ein gutes Verständnis für die Musik hat. Aber mittlerweile wird der junge Brite weltweit gefeiert. Den prominentesten Fanclub jedoch gibt es in seiner Heimat - die Royal Family: "Ja, ich habe anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten der Queen vor ihr gespielt. Das war ein Erlebnis, das mit nichts in meinem bisherigen Leben vergleichbar ist. Und es hat mich natürlich sehr gefreut, als sie mir nach dem Konzert erzählte, wie sehr ihr mein Spiel gefallen habe und sie hoffe, sich daran noch lange zu erinnern."

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