Sein Ziel ist Einfachheit

- Dieses Glück widerfährt nicht jedem Künstler: ein eigenes Museum. Zwar bedeutete das für Alf Lechner, den berühmten Stahlbildhauer, den Wohnort zu wechseln, Geretsried zu verlassen und sich in Obereichstätt bei Ingolstadt in einem ehemaligen Eisenhüttenwerk niederzulassen. Denn die Ingolstädter haben ihm und seiner Kunst eine neue, attraktive Heimat geboten: eine eigens für seine Stahlskulpturen geschaffene Kunsthalle. Das war vor fünf Jahren. An diesem Sonntag feiert der gebürtige Münchner seinen 80. Geburtstag.

<P>Alf Lechners geometrisch geformte Körper - Flächen, Linien, Kreise, Quadrate - haben nichts Endgültiges. Sie sind lebendige Kunst, die sich durch den Rost der Jahre verändern und wie jede große Kunst ihr Geheimnis trotzdem nicht preisgeben. Denn es beinhaltet zugleich auch das Geheimnis des Lebens.<BR><BR>Alf Lechner: "Das Grundsätzliche, das Ganze, das Wesentliche wird uns immer verschlossen bleiben. Eigentlich wissen wir nichts. Die Neugierde treibt uns, wenigstens das Mögliche, wenigstens Teile zu erfassen. So leben wir mit Bruchstücken, mit Fragmenten, mit Unvollkommenheiten, zum Beispiel mit Kunst." Im Falle Alf Lechners handelt es sich um die vollkommenste Unvollkommenheit.<BR><BR>Alf Lechner war bereits 36 Jahre alt, als er - noch im Nebenberuf - erste Stahlskulpturen schuf. Seine erste Ausstellung hatte er 1968 mit 43 Jahren. Zu seinem runden Geburtstag zeigt unter dem Titel "Feuer und Flamme" das Lechner-Museum neue Arbeiten des Künstlers.<BR><BR>Mit seinen Objekten für den öffentlichen Raum hat Lechner über die bayerischen Grenzen hinaus markante Zeichen gesetzt. Und der gelernte Schlosser freut sich: "Ich bin das geworden, was von vornherein feststand."<BR><BR>Anders als in der Malerei entstehen die Skulpturen aus ihren eigenen Bedingungen. Die Gewalten des Stahls setzen dem Künstler Widerstand entgegen. "Meine Kunst geht einher mit der technischen Entwicklung der Industrie", sagt er. Die Skulpturen entstehen aus Prozessen, die in der Fabrik stattfinden, Prozesse wie das "Schmieden, Brechen, Walzen, Sägen". Lechner zwingt die Masse ins Maß. In Stein zu arbeiten, sei für ihn keine Alternative. In diesem Material gäbe es ja bereits das große Meisterwerk: "Die schönste Steinplastik ist die Erde."<BR><BR>Spielplatz Kunst</P><P>Etwa 270 Skulpturen hat Lechner bisher geschaffen. Und er hat noch ständig neue Ideen. Für ihn sind seine Werke Gebrauchsgegenstände, es freut ihn, wenn Kinder darauf wie auf einem Spielplatz herumturnen. Er will mit seiner Kunst nichts erzählen - und tut es dennoch, denn Form und Material sprechen für sich. Er will nicht interpretieren - aber der Betrachter versucht es dessen ungeachtet immer wieder. Alf Lechners Kunst will schlicht und klar sein: "Mein ganzes Lebensziel ist die Einfachheit. In der Einfachheit steckt so viel Kompliziertes, dass man gar nicht einfach genug sein kann."</P>

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