Mann verletzt mit Messer mehrere Menschen am Rosenheimer Platz: Täter flüchtig

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Selbstbewusstes Signal für die Kunst

- Schräg: Das ist das Wort, das für den Erweiterungsbau der Münchner Akademie der bildenden Künste an der Akademie-/ Ecke Türkenstraße steht. Schräg, von oben nach unten ausgestellt und nicht den Boden berührend hängen drei versetzte Glasfassaden vor der eigentlichen Glaswand, die unten leicht nach innen gekippt ist. Schräg - auch gegeneinander schräg - stützen und tragen kräftige Rundpfeiler Bauelemente. Schräg verlaufen die Brückenstege, die schon mal zu Schächten werden, über die riesige Eingangshalle; einer davon steigt sogar getreppt schräg empor.

Kein mickriges Wimmerl am Neureuther-Bau

Auch "schräg" im übertragenen Sinn ist der Bau des mit dem Dekonstruktivismus berühmt gewordenen Wiener Architektenteams Coop Himmelb(l)au alias Wolf D. Prix, Helmut Swiczinsky + Partner. Aber nur ein bissl "schräg". Und nur ein bissl dekonstruktivistisch. Denn die Profis erfüllten natürlich die Wünsche der Nutzer. Es gibt die weite, zum Himmel hin ebenfalls verglaste Halle, die für Ausstellungen, Aktionen, Vorträge und Feste (wie der geräumige Vorplatz) bestens taugt. Es gibt kleinere, unspektakuläre Konferenzsäle, und es finden sich neben Büros, einigen Einzelateliers unter anderem für Gastprofessoren und einer Cafeteria die ersehnten Räumlichkeiten für die Werkstätten: Typografie, Radierung, Fotografie, Siebdruck, Kunststoff, Maltechnik, Neue Medien, Medienpädagogik und Lithografie.

Denn mit fast 800 Studenten wurde es in dem wunderschönen, aber nur für 300 Studenten ausgelegten, außerdem katastrophal maroden Altbau von Gottfried von Neureuther unerträglich. Viel zu lange hatte der Staat gewartet: sowohl mit dem Erweiterungsbau (19,7 Millionen Euro), als auch mit der Sanierung (1999 bis 2008, 64 Millionen Euro). Jetzt greift mit einer Nutzfläche von rund 5000 Quadratmetern eine erste Erleichterung, und Akademierektor Nikolaus Gerhart hofft, dass Ausquartierung und Renovierung für die Studenten erträglich war/ist: "Die jungen Menschen sind unser Kapital." Davon, dass sie das neue Haus annehmen werden, ist er überzeugt, es sei ein "Erlebnisbereich". "Wir werden mit dem Ding wunderbar umgehen", prophezeit der Bildhauer.

"Das Ding" ist kein mickriges Wimmerl am imposanten Kunst-Schloss, sondern ein mächtiger Bau, selbstbewusst wie der alte Kollege, der ab 1886 aktiv wurde. Die spielerische Leichtigkeit, die einem am Modell gefiel, ist unter den Bedingungen der Bauphysik und Statik zum Teil gewichen. Man sieht, da wurde schon mit recht massiven Bauklötzchen gearbeitet. Ein Spiel ist es dennoch: Überraschend tun sich Terrassen auf, Durchblicke in den kleinen Park, aufs Arri-Kino oder von den oberen Stockwerken auf die Türme der Stadt; schmale waagerechte Fensterschlitze werden zu Bilderrahmen, die die Putten- und Rankwerk-Friese vom Altbau umfassen; die Dachlandschaft ist verwinkelt und ummauert einen "Burg-Innenhof".

Verspielt und dennoch praktisch

Langweilig wird das Spiel an der Mauer, die zum Altbau schaut. Da ist den Architekten nichts eingefallen. Unglücklich auch die Entscheidung, die an sich gute Auskragung eines Baukörpers an der rechten Frontfassaden-Seite zu positionieren. Besser wäre es gewesen, diese wuchtige Faust würde auf der linken Seite herausgestreckt. Jetzt aber fuchtelt sie aufdringlich nahe am Neureuther-Bau herum. Das stört den Blick, vor allem wenn man frontal vor dem symmetrischen Haupthaus mit seinen zwei Kopfbauten steht. Zur Türkenstraße hin erlaubt sich Coop Himmelb(l)au mehr Wand, was wohltuend ist. Eine kluge Beruhigung der architektonischen Turbulenzen. Weite kompakte Flächen, bedeckt von Edelstahlplatten, wechseln sich mit großzügigen Glasflächen ab oder mit - nichts: mit kräftigen Einschnitten in den Kubus, der aus scheinbar zusammengewürfelten Bauelementen montiert wurde. Zum Garten hin nehmen Glas, das heißt optische Durchlässigkeit zu.

Insgesamt also ein Gebäude, das stolz auf Eigenständigkeit pocht, aber seinen Nutzern und Nachbarn doch im Großen und Ganzen Respekt zollt. Oder, um mit den Worten des Rektors zu sprechen: ",Schee’ oder ,greislich’ gibt's in der Kunst net. Es gibt nur eine Aussage oder keine."

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