Senkrecht in den Ruhm

- Da steht er wieder auf der Bühne in seinen glitzeredlen Designer-Showklamotten, ruckt den Gel-gestylten Kopf und die Schultern lässig im Rhythmus seines näselnden Austria-Raps: Falco alias Österreichs 1998 tödlich verunglückter Pop-Weltstar Hans Hölzel, alias Super-Darsteller Axel Herrig. Nach drei Jahren ist das Musical "Falco meets Amadeus" zurück im Münchner Deutschen Theater - in nachgefeilter Inszenierung und jetzt also noch farbiger, witziger, fetziger. Der Premierenapplaus legte an Dezibel & Dauer entsprechend zu.

<P>Falcos senkrecht in den Ruhm und süchtig durch alle Lebensgenüsse durchstartende Lifestory, in die sich auf halluzinatorischer Ebene Wolfgang Amadeus Mozart einmischt (Buch: Burkhard Driest), das war schon gleich bei der Uraufführung 2000 ein deutscher Musical-Hit. Jetzt aber hat Regisseur Elmar Ottenthal gestrafft und im Text den Witz pointiert. Die Handlung schleppt nun an keiner Stelle mehr melodramatisch dahin.<BR><BR>Auch das Spieltempo hat angezogen. Die (neu hinzugefügten) Großprojektionen von Falco-Originalschauplätzen zwischen Wien und Cote d'Azur bringen sinnliches Raumgefühl und soghaften Reality-Touch. Und die brillante Band unter Stefan Schmid tut alles, um uns mit Komponist Johnny Bertls gekonnten Grenzgängen zwischen Falco-Songs und Mozart-Arien und -Sonaten in einen 80er-Jahre-Nostalgie-Rausch hineinzuziehen: Bei den Falco-Hits, von "Jeanny" und "Egoist" bis "Rock me Amadeus" und des Kommissars "Push! Push!" wogt man geradezu mit auf den süffig-poppigen Rhythmen.<BR><BR>Mit Amadeus im rasenden Rap-Duett<BR><BR>Komödiantisches Highlight immer noch, wenn "Falco" Axel Herrig und "Amadeus" Nicolaus Hagg ein rasendes Rap-Duett abziehen. Bei der hinzugewonnenen Rasanz geraten allerdings die "menschlichen Beziehungen" ein bisschen flach (im Grunde hier das Problem vom Kuchen, den man essen und gleichzeitig aufheben möchte . . .).<BR><BR>Trotzdem stimmliche/ körperliche Präsenz bei Sissi Staudingers Vollweib-Mutter, Nadine Waglers charismatischer Garbo und Gudrun Schades am Ende so grandios verführerischem Todesengel-Kommissar. Dagegen fällt Sandra Danyella als allzu biedere Ehefrau Konny ab.<BR><BR>Ein großer Gewinn auf jeden Fall der Choreograph Thorsten Krafft. Stärker als Kim Duddy & Jochen Ulrich in der Urfassung stylt er den Abend ultra dynamisch-choreographisch durch, näher an der zeitgenössischen Tendenz, die neben der getrimmten Chorus-Line auch mal eigenwillig-dekonstruktivistische Arrangements erlaubt. Die Tänzer, mittendrin Allround-Talent Koffi Missah als Manager Johnny, sind super drauf. Fazit: "Falco" kriegt da so einen Musical-Drive, als käm's aus USA.</P>

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