Causa Kreidl: Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

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Sensation und Passion

- Gar Grässliches dringt aus dem Fan-Zirkel: La Regina geruht die Partie abzulegen! Und damit wäre die aktuelle "Anna Bolena"-Serie an der Bayerischen Staatsoper eine letzte Chance, die Unvergleichliche in einer ihrer Glanzpartien zu erleben. Es muss Überdruss sein, das Beschließen eines Karriere-Kapitels, vielleicht auch der Aufbruch zu neuen Gipfeln, etwa 2005 auf den "Norma"-Olymp. Denn nachlassende Kondition oder Technik können Edita Gruberova zu diesem Schritt nicht gezwungen haben. Abgesehen von einem einzigen, leicht nachjustierten Spitzenton (der ohnehin im Wunschtraum-Bereich der Konkurrenz liegt), präsentierte sie sich in singulärer Form.

Hauchzart gewirkt die Pianissimi, von elektrisierender Kraft die stratosphärischen Entladungen, dazu der fast spielerische Umgang mit Dynamik und Phrasierung - Singen zwischen Sensation und Passion, dabei Verzierungen und Belcanto-Zierrat immer in den Dienst des dramatischen Ausdrucks gestellt. Nach 20 Minuten hatte sie das Terrain abgesteckt, der Hörer kapituliert - und sich das übrige Personal als Statisterie wiedergefunden. <BR><BR>Dabei galt's eine neue Nebenbuhlerin zu entdecken: Carmen Oprisanu, die als Donizettis Giovanna im Nationaltheater debütierte. Keine Stimme von der Stange - die Rumänin verfügt über einen sehr charakteristischen Mezzo, ein dunkler Kristall von herber Schönheit, zu feinen Nuancierungen fähig, die leichte Befangenheit resultierte wohl aus Respekt vor der großen Kollegin. Roberto Scandiuzzi versuchte sich selten als zärtelnder Enrico, verlegte sich sonst aufs Ausstellen seines breiten, wenig konturierten Pracht-Basses. Genau das Gegenteil: Gregory Kunde als Lover Percy, der zwar Stilempfinden und genaue Diktion lieferte, oft aber (Indisposition? technischer Defekt?) zu gequetschter Tongebung neigte.<BR><BR>Ralf Weikert war viel mehr als nur dirigierender Sekundant, animierte Chor und Staatsorchester zu einer erfreulich präzisen, klug gestalteten Interpretation, die - im Vergleich zu Jonathan Millers musealer Regie - ein Zehnfaches an Emotionalität produzierte. Personencharakterisierung? Dagegen herrscht bei Madame Tussaud Aktionismus. Alles egal: Wer den finalen Wahnsinn der Gruberova genoss, vergaß den Rest. Trampeln, Jubel, Standing Ovations.

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