Serenaden-Stimmung

- Münchens neuer Konzertsaal zeigt sein Gesicht: Am Montagabend ist der Hubertussaal des Nymphenburger Schlosses festlich seiner Bestimmung übergeben worden - und machte recht gute Figur dabei. Optisch sowieso, auch wenn die Beleuchtungsapparaturen des Bayerischen Rundfunks dem klassizistisch schlichten Stuck und den zarten mintgrünen Seidenbespannungen ziemlich grob zu Leibe rückten und ihren Teil zur subtropischen Raumtemperatur beitrugen.

<P>Doch waren einige der Fenster zum Innenhof schnell geöffnet, und mit der Sommerabendluft drang das Plätschern eines Brunnens herein - in Verbindung mit dem kerzen-gelb warmen Licht der Kristallleuchter die perfekte Serenaden-Stimmung. <BR>Die Musik war solcher Atmosphäre und dem Anlass angemessen: Als solle der renovierte Saal symbolisch im Auf und Ab der stetig verfließenden Zeit verankert werden, spielte das Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung seines Primarius Radoslaw Szulc Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten". </P><P>Die Akustik des Raumes erwies sich dabei als trocken und ließ die elementar-energetische Schroffheit des Zyklus' zutage treten. Julia Fischer meisterte den Violinpart mit leuchtender Kraft - in hoher Lage und bei lauteren Stellen bekommt ihr großer Geigenton gelegentlich noch eine Nuance des Forcierten. </P><P>Wie unterschiedlich musikalische Temperamente sein können, war in Johann Sebastian Bachs Konzert für drei Violinen und Streicher C-Dur zu bewundern: hier der jugendlich-ungestüme Zugriff Fischers, dort der feine, fast melancholische Ton Daniel Nodels und das behende-leichte Geigenspiel von Radoslaw Szulc. Mozarts A-Dur-Symphonie KV 201 beschloss das zu voll gepackte Programm: Auch hier dank der Akustik und der vitalen Interpretation ein Eindruck erdiger Dinglichkeit, der die lyrisch-ätherischen Aspekte des Zauber-Stücks in den Hintergrund treten ließ.<BR></P>

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