Deutsche Behörden vereitelten wohl IS-Terroranschlag auf großes Musikfestival

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Umbruch oder eine Variation des bisherigen Kurses? 2021 steht die Bayerische Staatsoper vor dem personellen Neubeginn.

WER WIRD NACHFOLGER VON BACHLER UND PETRENKO?

Chefsuche an der Bayerischen Staatsoper: Kurz vor der Ziellinie

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Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung darüber fallen, wer ab 2021 Intendant und wer Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper wird. Vieles deutet auf Serge Dorny und Vladimir Jurowski hin - eine sehr gute Wahl

München - Wunschzettel schreiben sich leicht. Doch manchmal macht die böse Realität allen Träumen den Garaus: Natürlich würde sich Antonio Pappano, derzeit noch Musikdirektor am Londoner Royal Opera House, ab 2021 ganz wunderbar als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper machen. Und natürlich könnte man sich auch Barrie Kosky, bis 2022 Intendant der Komischen Oper Berlin, als Nachfolger von Nikolaus Bachler vorstellen. Doch von beiden gab es, obwohl der Freistaat offensiv vorgefühlt hatte, Absagen. Pappanos Nein ist, so hört man, schon einige Zeit her, das von Kosky kam viel später.

Immer mehr hat sich damit der Kandidatenkreis verengt. Und bei Lichte besehen bleiben eigentlich nur zwei Namen übrig: Vladimir Jurowski am Pult und Serge Dorny im Intendantensessel. Zwar spukt noch immer Dirigent Andris Nelsons durch die Debatte, in den sich das Bayerische Staatsorchester nach seiner „Rusalka“-Serie im vergangenen Juni schwer verliebt hatte. Aber realistisch scheint dies nicht – wenn man sich seinen übervollen Terminkalender vor Augen und seine Kompetenz im Kernrepertoire des Hauses vor Ohren führt.

Jurowski und Dorny: Alles andere als eine Verlegenheitslösung wäre dies, ganz im Gegenteil. Letzterer führt seit 2003 die Opéra National de Lyon, die gerade zum „Opernhaus des Jahres“ gekürt wurde. Nicht nur, weil ihr Dorny gerade mit der Wiederbelebung von drei legendären Inszenierungen ein Retro-Spektakel beschert hat, sondern weil hier ein Kulturmanager auf exzeptionelle Weise vorgeführt hat, wie sich ein Opernhaus im Gefüge einer Stadt verankern lässt.

Serge Dorny (55) ist derzeit Intendant an der Oper Lyon.

Dass die Skateboarder und Hip-Hopper, die dort auf dem Vorplatz Atemberaubendes vorführen, mittlerweile Teil der Hausgemeinschaft sind, dass Dorny auch das Abo-System umkrempelte, langjährige Besucher damit verprellte und dafür eine erstaunliche Anzahl jüngerer Zuschauer anlockte, all das lässt sich gewiss kaum auf München übertragen. Das hiesige Repertoire-Prinzip hat mit dem Stagione-Haus in Lyon, das eine Produktion eine Zeit lang geballt präsentiert und dann wieder absetzt, nur bedingt zu tun. Dornys Opernpolitik dort beweist anderes: wie sich ein Kulturmanager auf das Leben und die Gepflogenheiten einer Stadt eingelassen und für sein Haus daraus Novitäten entwickelt hat.

Serge Dorny möchte schon seit längerem Lyon verlassen

Auch für die Dresdner Semperoper hat sich der Belgier, Jahrgang 1962, Plausibles, Spannendes einfallen lassen. 2014 wollte er eigentlich als Intendant nach Deutschland wechseln. „Erfrischend unkonventionell und professionell“ seien seine Pläne gewesen, so formuliert es ein Mitglied der damaligen Findungskommission gegenüber unserer Zeitung. Dass Dorny auf heftige Gegenwehr der Staatskapelle Dresden mit ihrem Chef Christian Thielemann stieß, ist Geschichte – und war finanziell schmerzhaft für die Sachsen: Den Prozess gegen eine einseitige Lösung seiner Vereinbarung gewann Dorny.

Inhaltlich ist er durch einen der wichtigsten Intendanten der vergangenen Jahrzehnte geprägt, durch Gerard Mortier. Einst arbeitete Dorny für ihn als Dramaturg an der Brüsseler Oper. Die Neugier auf unkonventionelle szenische Sprachen und avancierte, unverbrauchte Künstlerpersönlichkeiten hat er sich behalten. In seine Zeit als Manager des London Philharmonic Orchestra fällt übrigens das dortige Debüt von Vladimir Jurowski. Man kennt sich also. Und Jurowski dürfte wesentlich offener für Inhaltliches sein als in Dresden Traditionswahrer Thielemann.

„Man sollte sich hüten, eine Kopie dessen zu bekommen, was man hat“, sagte einmal Ministerialdirigent Toni Schmid, Bayerns alleiniger Dirigenten- und Intendantenmacher. So gesehen würde eine Münchner Verpflichtung von Vladimir Jurowski passen. Der 45-Jährige ist ein anders gelagerter Charismatiker als der hyperpräzise Kontrollfreak Kirill Petrenko. Mit seiner manchmal dämonischen, mal mönchischen Ausstrahlung könne der gebürtige Russe ebenso Mephisto sein „wie ein Wiedergänger des reifen Franz Liszt“, beschrieb es unlängst der Berliner „Tagesspiegel“. In der Hauptstadt hat Jurowski gerade sein Amt als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters angetreten und den Konzertgängern schon eine Reihe erstaunlicher Abende beschert. „Ein wenig mythisch ist das Musikmachen schon“, sagt er. „Aber nicht im Sinne von Weihrauch oder Duftstäbchen – sondern als lebendige Alchimie.“

Welser-Möst und Jordan flogen bald aus der Debatte

Vor allem aber sucht Jurowski, anders als Petrenko, den Kontakt mit der Öffentlichkeit, worunter nicht allein die Medien zu verstehen sind. Angst vor einem breit aufgestellten Haus wie München muss dieser Spitzenkandidat für den GMD-Posten nicht haben. Als Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin, als Erster Gastdirigent am Theater in Bologna, vor allem als Chefdirigent des Opernfestivals in Glyndebourne konnte sich Jurowski ein vielfältiges Repertoire andirigieren.

Vladimir Jurowski (45) leitet das Rundfunksinfonieorchester Berlin.

Bemerkenswert ist, welche Künstler bei der Besetzung der zwei Münchner Opernposten aus der Debatte geflogen sind. Mit Franz Welser-Möst, der gern an den Max-Joseph-Platz gekommen wäre, konnte sich das Bayerische Staatsorchester offenbar nicht anfreunden. Auch Philippe Jordan, ab 2020 nun zum Musikdirektor der Wiener Staatsoper gekürt, war, so heißt es aus dem Haus, nie in der Favoritengruppe. Eine Entscheidung über den Generalmusikdirektor und den künftigen Intendanten wird angeblich noch vor Weihnachten fallen. Konkurrenzlos sind die Münchner dabei nicht: An der Pariser Oper steht mit dem Weggang von Generaldirektor Stéphane Lissner ebenfalls der Umbruch bevor. Auch ein Posten, der wunderbar zu Serge Dorny passen würde.

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