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Sind durch die Serie Freundinnen geworden: Schauspielerin Janina Hartwig und Schwester Hanna Maria.

ARD-Serie

"Um Himmels Willen" in der 15. Staffel mit echten Nonnen

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Untermarchtal - Die Serie „Um Himmels Willen“ startet in die 15. Staffel. Mit dabei ist auch eine echte Ordensschwester. Ein Besuch im Kloster Untermarchtal.

Aus der Geschichte müsste man mal einen Film machen. Genau, deshalb hat’s die ARD ja auch getan. „Um Himmels Willen“ – mit doppelter Schwester Hanna. Nun läuft die mittlerweile 15. Staffel mit 13 neuen Folgen der beliebten Serie, die wie gewohnt dienstags um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen sind.

Dienstagabend ist Klosterabend. Das war für Janina G. seit Jahren so. Die elterliche Gaststätte hatte dienstags praktischerweise auch noch Ruhetag – und so versammelte sich die Familie Woche für Woche für eine Dreiviertelstunde vor dem Fernseher, um dem Leben im fiktiven Kloster Kaltenthal zuzuschauen. Heute ist für Janina G. jeden Tag Klostertag. Und das ganz real. Die junge Frau ist Ordensschwester, ihr Schwesternname: Hanna Maria. Genau der Name, den ihre Namensschwester im echten Leben, Schauspielerin Janina Hartwig, in der Serie trägt. Zufälle gibt’s.

Gleiche Vornamen - gleiche Schwesternnamen

Die beiden Frauen lachen. Sie sitzen in der Kapelle des Klosters Untermarchtal in der Nähe von Ulm. Ein Treffen unter Freundinnen. Denn das sind die beiden Frauen durch die Serie geworden. Jetzt aber mal von vorne: Woher kennen sie sich eigentlich? „Mein damaliger Kollege“, Schwester Hanna Maria setzt an, doch ehe sie den Namen des Kollegen aussprechen kann, erhebt Janina Hartwig den Zeigefinger. „Aufgepasst – sein Vorname? Hartwig!“ Wieder lachen sie über so viele Parallelen.

Nun gut, der Hartwig wollte der heute 28-Jährigen also eine Freude machen. Er schrieb an die Agentur der Schauspielerin, erzählte von den Zufällen und bat um ein Autogramm. Doch offen wie die Seriendarstellerin auch im echten Leben ist, schrieb sie nicht einfach eine Autogrammkarte – sondern lud den Fan ans Set ein. So wurde Schwester Hanna Maria für einen Tag Komparsin bei „Um Himmels Willen“. Ein großartiges Erlebnis, wie sie ehrlich lächelnd erzählt. „Für mich war es vor allem eine wunderbare Erfahrung, dass Janina und ich uns gleich so gut verstanden haben. Wir brauchten gar nicht viele Worte, manchmal ist das so bei Menschen“, sagt die junge Ordensschwester und schaut die Schauspielerin strahlend an. Die kann das nur bestätigen. „Es hat von Anfang an gepasst. Für uns war es natürlich auch etwas Besonderes, dass uns Schwester Hanna Maria und zwei Mitschwestern besuchen kommen.“

Ein bisschen anders ist's im echten Kloster schon

Und nun mal Hand aufs Herz – wie realistisch ist sie denn, die Serie? „Die Hanna, die da so zielstrebig ihren Weg geht und die sich immer für das Gute einsetzt, egal, was der Bürgermeister Wöller sich wieder überlegt; gegen alle Intrigen, durch Höhen und Tiefen – das hat schon so ein bisschen was von Idealbild und teilweise ist die Serie auch etwas überzogen“, sagt sie. Und genau so solle es ja auch sein, betont Hauptdarstellerin Hartwig: „Wir erzählen ja keine Dokumentation über das Leben im Kloster, sondern wir machen Geschichten von Menschen, und die müssen überhöht sein. Damit es dramaturgisch spannend ist.“

Und dennoch: Die Situationen, die aufgegriffen werden, die seien schon ziemlich nah dran an der Realität, sagt Schwester Hanna Maria mit einem vielsagenden Schmunzeln. Das Leben im Miteinander, der permanente Einsatz der Schwestern für das Gute gegen alle politischen Intrigen, das finanzielle und spirituelle Ringen um die Zukunft der Klostergemeinschaft – alles gar nicht so weit weg vom echten Leben.

Die Frage für die junge Ordensschwester war: Was ist das Wesentliche im Leben?

Dass es ungewöhnlich ist, dass ein junger Mensch heutzutage ins Kloster eintritt, mit dieser Frage wird Janina G. immer mal wieder konfrontiert. Wie kam es dazu? „Das war ein Prozess, das ging nicht so, dass ich das Berufungserlebnis hatte“, erzählt sie. Nach einer lebendigen Jugend mit viel Feierei kam in ihr immer öfter die Frage auf: Was ist jetzt eigentlich das Wesentliche im Leben, was zählt? „Und was möchte ich mal, wenn ich am Ende des Lebens bin, erreicht haben? Welcher Weg führt mich dahin?“ Mit 19 konvertierte sie, wurde Katholikin. Nach und nach kamen die Gedanken, ins Kloster zu gehen. Aus Liebe zu Gott. Und das ist etwas, was man nicht erklären könne. „Das kann man so schlecht beschreiben“, sagt sie und lächelt zu Janina Hartwig herüber. „Wie wenn man verliebt ist und erklären soll, warum man jetzt den Mann gut findet. Da kann man äußerlich sagen: Er sieht gut aus, ist groß, sportlich. Aber es passiert von innen, die Initialzündung kann man nicht erklären.“

Natürlich sei es ein tägliches Ringen, ein Weg, der beschritten, aber noch nicht zu Ende gegangen ist. Den Sinn des Lebens finde man nicht, indem man ins Kloster eintritt. „Es bleibt eine Suche. Aber ich habe das Gefühl, hier die Rolle auszufüllen, die Gott für mich bestimmt hat.“ Das sei, was sie so anspricht an der Serie. Manchmal, da wäre sie gern wie die Serien-Schwester Hanna. „Die da nicht aufgibt und die immer neu aufsteht. So will ich auch sein. Mit Gottes Liebe als Rückendeckung.“

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