Seriöse Moderne

- Ein bisserl fremdelt der Salzburg-Besucher schon noch. Den Blick nach oben irritiert der Neubau des Museums der Moderne Mönchsberg, der jetzt fertiggestellt ist. So richtig als Museum wird es erst am 23. Oktober mit der Schau "Vision einer Sammlung" eröffnet. Damit man aber schon zur Festspielzeit mit der Erweiterung des Museums der Moderne Rupertinum zu Füßen des Bergs glänzen kann, hat sich Chefin Agnes Husslein-Arco zu einer Prä-Ausstellung entschlossen. Zusammen mit Thyssen-Bornemisza Art Contemporary entstand "Ein-Leuchten", eine Präsentation aktueller Lichtkunst.

<P>1998 bekam das Münchner Architektenteam Friedrich Hoff Zwink den Auftrag zu dem Neubau. Das riesige Museumsprojekt von Hans Hollein, den Mönchsberg auszuhöhlen, war ja gescheitert. 2004 richtet ein heller Querriegel an der Stelle des abgerissenen Café´ Winkler an der Kante der Felswand seine Stirn gegen die Stadt. Noch wirkt er ein wenig zu dominant, aber wenn der helle Untersberger Marmor etwas Patina bekommen hat, wird sich das wohl geben. Nur ganz dezent haben die Architekten die glatte Fassade durch einige erweiterte Fugen zwischen den Steinplatten rhythmisiert.</P><P>Fantastischer Ausblick</P><P>Das zweite Gliederungselement sind große Fensterflächen. Am mächtigsten ist die des Restaurants "Mönchsberg 32", das mit seinem fantastischen Ausblick auf Burg, Fluss und Stadt als Anziehungspunkt dem Museum den Rang ablaufen könnte. Matteo Thun hat es gemäßigt schrill eingerichtet: Zwischen ruhigem, funktionalem Mobiliar finden sich grausam lila-pink-farbene Fauteuils oder die Deckenbeleuchtung aus 500 Hirschgeweihen, von den Österreichischen Bundesforsten brav gesammelt.</P><P>Friedrichs Hoffs Zwinks seriöse Moderne wird auch durch den unmittelbaren Nachbarn heiter gebrochen. Dieser Wasserturm aus dem 19. Jahrhundert spielt nämlich alte Ritterburg. Und so schaut man nun auf ein seltsames Baupaar.</P><P>Im Inneren gibt sich das Museum betont karg, aber bezirzt durch Luftigkeit und Großzügigkeit auf allen vier Ebenen. Die unterste erreicht man unmittelbar, wenn man den Mönchsberglift verlässt.</P><P>Das Charmanteste an dem Entwurf der Münchner Architekten ist die Treppen-Überraschung. Plötzlich stellt man fest, dass es zwei Treppenhäuser gibt, die mit schönen räumlichen Tricks, Durch- und Ausblicken aufwarten.</P><P>"Ein-Leuchten" leuchtet als Vorgeschmack aufs Museum deswegen ein, weil vor allem die Installationen und Videoarbeiten das Haus nur locker in Besitz nehmen. Alles wirkt leicht und wandelbar wie das Licht selbst. Nur die Neonröhren-Schriftzüge und Lichtpunkt-Laufbänder mit ihren Texten materialisieren gewissermaßen das Licht.</P><P>Mit gleich vier Arbeiten konnte Husslein-Arco den heiß begehrten Olafur Eliasson nach Salzburg holen. Seine Münchner Stahlbänder-System - Kugel in den Fünf Höfen - lebt als Tunell auf. Die anderen Installationen loten die lichtspielerischen Möglichkeiten von verspiegelten und/oder farbigen, großen, kreisrunden Glasscheiben aus. Es entstehen Mobiles aus Raum, Farbe, Reflexion samt Betrachter, Schatten und Verwirrung.</P><P>Ähnlich funktionieren auch John Armleders zwölf Discokugeln, die den Saal in einen Sternstaub-Wirbel taumeln lassen. Solche Architekturbesetzung gelingt auch Diana Thater mit riesigen bunten Wabenformen und wilden Bienenschwärmen (Video). Zur stillen, introvertierten Fraktion zählen hingegen Brigitte Kowanz und Finnbogi Pé´tursson. Der macht Physik sichtbar: Klangwellen verursachen Wasserwellen in einer beleuchteten Schale, so dass die Lichtwellen an der Decke tanzen. Die Wienerin ihrerseits greift auf die Op Art zurück und rhythmisiert auf parallelen Röhrenfeldern Licht und Nicht-Licht zu einem geheimen Morsealphabet.</P><P>Neben diesen "Theoretikern" gibt es auch die Geschichtenerzähler. Julian Rosefeldt verfolgt bei seiner "Trilogie des Scheiterns" den Raum, den Menschen und wie er ihn zumüllt - um selbst daran schier zu ersticken. Drei Projektionsflächen konstatieren in ruhig dahingleitenden Einstellungen - wie jetzt zum Beispiel auch in München bei Aernout Mik im Haus der Kunst zu sehen - ein scheinauthentisches Leben in Kulissenbauten wie bei Fernsehproduktionen. Pipilotti Rist schafft es wieder, Spannung aufzubauen, ohne dass einem klar würde, warum man glaubt, dass Gefahr droht. Weiße Stores und Kinderstühlchen im Saal, feenhaft unwirkliche Projektionen darauf und auf der Wand eine Frau, die sich das Gesicht am Glas deformierend plattdrückt. Nichts ist greifbar in diesem Frauendasein.</P><P>An Leuchtketten gefesselt</P><P>Noch beklemmender aber ist Slaven Toljs Video von einer Performance: ein von Leuchtketten gefesselter Körper, nur sichtbar, nur existent durch das Licht an den Schnüren. Regt sich dieser Leib noch? Der Kroate erzählt von Gewalt, ohne Gewalt plakativ vorzuführen.</P>Bis 31.8., täglich ab 10 Uhr, Tel. 0049/662/80 42 23 36; Eintritt zehn, Katalog 27 Euro.

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