Da seufzt das Nostalgie-Herz

- Sie waren jung, sympathisch, mit ihrem überdekorierten Glitzerfummel-Look haarscharf am Zeitgeist und _ unschlagbare Chart-Champions: (A)gnetha, (B)jörn, (B)enny, (A)nni-Frid. Und sie waren ganz besonders akribische Klang-Tüftler: unverwechselbar der ABBA-Sound im Pop-Rock-Spektrum. Unauslöschlich im Ohr seit den blumigen 70ern "Waterloo", "Mamma Mia", "Dancing Queen" und, und. Bester Beweis: Mitsingen kein Problem (Rhythmus-Klatschen schon eher . . .) bei der Münchner Deutschland-Premiere von "ABBAmania", ein heiß gefeiertes "Best of"-Revival.

<P></P><P>Nachdem Mode-King Mosi, Fan Nr. 1 des Deutschen Theaters (vielleicht "Flut-Helfer" vor dem drohenden 2004-Untergang?), seinen großen Prelude-Auftritt hatte, picobello strahlend mit Kusshändchen hoch zu den Rängen, ging's ab zurück in die Nostalgie: rot, blau, gelb, grün die kreisende Licht-Choreographie um die hinten erhöhte Schlagzeugbatterie, satt bearbeitet von Rowan Griffith. Tanzende Seifenbläschen und Scheinwerferspots bis ins Publikum. Bei "Money, money, money" sogar kupfrig blitzender Münzen-Regen.</P><P>Die selbst erwählten ABBA-Doubles Isobel Davies (Agnetha), Mark Thomas (Björn), Nigel Hart (Benny) und Vikki Holland-Bowyer (Anni-Frid) in authentischem, gewellt-genicklangem Herrenschopf und schwappender Agnetha-Blondmähne und den typischen Show-Klamotten, vom Plateau-Silberstiefel bis zur popostrammen Schlaghose und indisch inspiriertem Wallegewand. Dank Perückenkunst und vier Jahre langem Hören und Sichten von CDs, Videos, Fotos und Büchern hat das Revival-Quartett sich mit der Leidenschaft der glühenden Bewunderer in den Gesamtstil der schwedischen "Fab Four" regelrecht hineingearbeitet.</P><P>Und diese enorme Anstrengung steckt den Doubles, zumindest im ersten Teil, noch in den Gliedern. Nigel Hart, prima an Bennys nachgebautem E-Klavier, hat's da noch am leichtesten. Bartkranz und rhythmisches Wippen reichen schon. Und für seinen Björn lässt Mark Thomas, ein geborenes Bühnentier, lässig seine Charisma-Erotik von der Leine. Die scheint bei den beiden Frauen, bei aller Stimmbandgewalt, ins Korsett der fremden Identität weggeschnürt. Die Tanz-Bewegung, den ABBA-Girls abgeschaut: Diese 70er-Jahre-Hopser, wellige und kantige Arm-Muster und Einfrierposen, das bleibt erst mal nur brave Schablone. Und ein bisschen mühsam zunächst das Animieren des Publikums, das doch schon Bereitwilligkeit mitgebracht hat zum Arme-Schwenken, zum Wackeltanz auf der Stelle. </P><P>Mit "Fernando", diesem sanft wiegenden Ohrwurm, entwickelt sich langsam Party-Stimmung. Da spornt dann sittsam ein Münchner Eintags-Kinderchor das Refrain-Singen an. Und nach der Pause _ alle nun warmgespielt _ pulsiert endlich richtiges Show-Fieber. Isobel Davies, deren kräftige, aber etwas scharfe Musical-Stimme den Abend bestimmt (für Agnetha waren ja auch die meisten Songs geschrieben, womit sich Anni-Frid kollegial arrangiert hatte), kommt ins Schwitzen, was dem Zusammenklang mit Vikki Holland-Bowyer nur gut tut.</P><P>Glänzend um-rockt von Bass und Rhythmus-Gitarre am Ende dann ABBA-Erlebnis "full power" mit "Super Trouper", "Gimme, Gimme, Gimme" und der "Tanz-Königin". Das Nostalgie-Herz seufzt glücklich. Und Mittelalter fühlt sich wieder total jung. Wo gibt's das sonst noch als in Münchens Deutschem Theater? Unvorstellbar, dass dieser herrliche alte Musen-Tanker sinken soll . . .</P><P>Die Doubles der legendären ABBAs brachten echte 70er-Jahre-Stimmung ins Deutsche Theater: Nigel Hart als Benny, Isobel Davies als Agnetha, Vikki Holland-Bowyer als Anni-Frid und Mark Thomas als Björn (v. l.).Foto: Schneider-Press.<BR></P>

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