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Die Finanzwelt fest im Blick: Kabarettist Severin Groebner (45).

Severin Groebner in der Münchner Lach & Schieß

Gut geschmiert

München - Severin Groebner tritt in der Münchner Lach & Schieß auf - mit dem Duell Mensch gegen Kommerz.

Der geliebte Park soll einer „Shopping Mall“ Platz machen – klassischer kann man sich das Duell Mensch gegen Kommerz kaum vorstellen. Dass Severin Groebner genau dieses Szenario für sein jüngstes Solo ausgesucht hat, ist sinnvoll – so lassen sich die Mechanismen, nach denen die Wirtschaft (und die Politik) funktioniert, schön sichtbar machen. Es gilt, so der selbstironische Titel des Programms, zu berichten „vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g’schissen hat“.

Der „kleine Mann“, das ist der Kabarettist selbst, und man kann nicht sagen, dass er Zeit verschwendet auf seinem langen Weg durch die Institutionen. Der Architekt, der Bauamtschef, der Bauträger, der Politiker, der Anwalt – mit wenigen Strichen macht der wandlungsfähige Wiener auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft die vielen kleinen und großen Rädchen im Getriebe sichtbar, von denen keines ohne das andere funktioniert. Vor allem, wenn alles gut geschmiert ist.

Das allein wäre noch nichts wirklich Neues, doch Groebner erdet seine virtuos gespielte Analyse der modernen (Finanz-)Welt, indem er sie in einem illustren Freundeskreis verortet. Das bringt „Opfer“ und „Täter“ näher zusammen. Auch aus Idealisten, so zeigt der 45-Jährige ganz subtil, können ganz schnell Kapitalisten werden, und so mancher Goliath hat einst als David angefangen.

Alles fließt in diesem Panoptikum an Typen und Thesen, Groebner zeigt – bei aller satirischen Vergröberung – immer auch das Menschliche an seinen Figuren. Das lässt seine exzentrische Performance am Ende doch tief unter die Haut gehen.

Rudolf Ogiermann

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bis Sonntag und wieder vom 29. bis 31. Januar, um 20 Uhr. Telefon 089/ 39 19 97.

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