Mit sexy Klimper-Wimper

- Die 50er-Jahre scheinen abgefeiert. Nun sind die 80er hip - zurzeit zumindest im Münchner Deutschen Theater: "Footloose", das Broadway-Musical (1998) zum Kultfilm von 1984 in einer Neuinszenierung (Christopher Malcolm), lässt die Herzen aller Jung- und Spätlese-Teenies glücklich flattern. Zwar hat sich der Jazz-Funk-Break-Riverdancetap-verwöhnte Zuschauer etwas mehr von den "loose"-lockeren Füßen versprochen. Aber die Kids geben der Choreographie (Stacey Haynes) ganz schön Saft. Und: Sie können glaubhaft erzählen.

<P>Eine Story aus dem Katalog amerikanischer Prüderie: Der in eine Kleinstadt verschlagene Ren aus Chicago prallt auf die Allgewalt des Pastors. Reverend Shaw Moore hat ein Tanzverbot erlassen. Dagegen kämpft der tanzlustige Ren an. Gestützt wird er dabei von seinem neuen Freund Willard und dem schnell eroberten Pastorentöchterlein Ariel.</P><P>Nicht gerade ein Konfliktstoff, der dem Bandenkrieg einer "West Side Story" Konkurrenz machen könnte. Immerhin aber eine hübsche Lektion über vermiefte US-Provinz und die klassischen Reibungen zwischen den Generationen - irgendwo zwischen George Lucas' "American Graffiti" und den typischen US-Family-Soaps. Immer überzeugend gespielt.</P><P>Hinreißend "soapig" Jacqui Rae als Reverend-Gattin, glänzend auch Michael Danek als pastoraler Sittenwächter. Ihm gegenüber gibt Caroline Arrowsmith (Ariel) ein charmantes Trotzköpfchen und mit sexy Klimper-Wimper den Flirt-aufgelegten Teenager.<BR>Überhaupt sind das alles unheimlich sympathisch-attraktive Typen; vor allem Scott Cripps (Willard), der mit Ungelenk-Komik und seinem Kraftorgan sich zum Publikumsdarling hochspielte. Hauptakteur David Sellings (Ren) schließlich ist kein Star-Darsteller, sondern einer, der sich ungewöhnlich natürlich auf der Bühne wie im Text bewegt, der anstrengende Partien singen und dabei auch noch Handstand-Breakfiguren tanzen kann.</P><P>Apropos singen und tanzen: Abgesehen von "Holding out for a hero" und Willards "Mama"-Song gibt's keine dollen Ohrwürmer. Und was über die Bretter funkig stolziert, hüftschwingt und mit Armen kantet und wedelt, das ist schon okay. Was einen dann wirklich doch wohlig reinzieht, ist das Profi-Zusammenspiel von Band, exzellenten Backgroundsingers, Solostimmen und Ablauf der Handlung. Ein harmonisch geschlossenes Musical halt. Und: Man lässt sich Zeit für die Dialoge. Alles auf Englisch. Aber man versteht's.</P>

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