Sexy Nackenbisse

- "Fletsch - Saturday Bite Fever". Hier bleckt ein pelziges Tier verliebt die Zähne. Ein bisschen Schielen über den großen Teich nach Vampir-/Werwolf-Filmen haben sich Komponist Marc Schubring, Buch- und Gesangstexter Holger Hauer und Wolfgang Adenberg erlaubt. Aber insgesamt ist dieses 1993 am Saarländischen Staatstheater uraufgeführte "Fletsch" ganz made in Germany. Pfiffige Reime. Und witzig-charmant der psychologisch-pädagogische Unterton. Jedenfalls kam's so 'rüber von den Musical-Studenten (2. und 3. Jahrgang) der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Akademietheater im Applaus-Beben.

<P>Unsicherheit ablegen. Sich verwandeln in das starke mythische Wolfswesen. Und endlich bei der Angebeteten landen! Die Story (nach Roger L. DiSilvestros Roman "Werwölfe küssen gut", 1989) passt den Studenten so maßhandschuh-genau wie die tollen Kostüme (Katrin Bobek), die wolfsrachigen Köpfe (Maskenbild-Studenten), die sparsam integrierte Choreographie (Michael Schmieder). Aber zwei dürfen doch den Erfolgs- Hauptanteil für sich verbuchen: Patrick Lammer als linkischer Versicherungsangestellter Stanley, dem die kesse Rauchstimme Meghann Smith (atmen nicht vergessen) per wölfischem Nackenbiss das gewisse Gift und später auch die passenden Lektionen verabreicht. Und die Bayerische-Theaterakademie-Dozentin Katrin Ackermann ( 15 Jahre Resi- und TV/Film-Schauspielerin), die mit viel Regie-Gespür vor allem ihrem Hauptdarsteller seine ungewöhnliche Natürlichkeit beließ: Lammer ruht in sich - wovon sich auch der "Psychiater" Gunther Elmer noch was abschauen kann. </P><P>In seinen verbeult-karierten Hosen nimmt der große Schlacks die Bühne (aus dem Sparschwein gezauberte Stadt, Büro und -Liebesstatt von Hannes Neumaier) und das Publikum im Sturm. Daisy, die Sekretärin, nicht zu vergessen. Eben besang Roberta Valentini ihn noch schnöd abweisend, jetzt schmilzt sie bei seinen wölfisch prangenden Muckis musical-soft dahin. Und Lammer, zwischen Liebesglück und tierischem Missgeschick, heult gerade so weh-leidenschaftlich wie "Chorus-Line"-Cassie ihr "I am a dancer" seinen Schicksalsschrei: "Ich bin ein Werwolf." Auch bei seinem "Wolf-Heuler-Blues" kann er es den Amis stimmlich und in Schmalztollen-Allüre gleich tun. Ein Knaller Björn Klein als Stanleys Großwildjäger-Papa im tanzenden Rollstuhl. Und schmissig die Band unter Philip Tillotson am Klavier.</P><P>Karten unter Telefonnummer 089/ 21 85 28 30.<BR></P>

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